#102 Papa spielt … Yamatai

Yamatai

Jedes Jahr bringt Days of Wonder genau ein Spiel heraus, und die Welt schaut darauf. Mich haben die beiden letzten Jahre eher weniger interessiert. Sowohl Five Tribes als auch Quadropolis haben weder mein Interesse geweckt, noch haben sie sich später als Spiele herausgestellt, die ich gerne spiele.
Bei Yamatai bin ich von genau zwei Dingen angezogen worden, wie die Fliegen vom Licht: Bruno Cathala als Autor (der viele meiner Lieblingsspiele entwickelt hat) und die Schachtelgrafik mit asiatischen Thema. Und schon hänge ich drin im Fliegenfänger. Mal sehen, wie ich da wieder rauskomme.

In Yamatai versuchen die Spieler die Gunst vom Königin Himiko zu gewinnen. Dazu wird gebaut, was der Steinbruch hergibt, das Archipel erschlossen und sich cleverer Spezialisten bedient. Alles wie auf echten Baustellen, inklusive dem Kampf um die besten Baugrundstücke und Streitigkeiten um die Ressourcen.

Der Aktive Spieler entscheidet sich in seinem Zug zuerst für ein Flottenplättchen, was Ihm Rohstoffe, in Form von beladenen Schiffen gibt, und manchmal sogar einer besonderen Aktion. Danach ist Zeit für den Handel. Er kann ein bereits vorhandenes Schiff verkaufen oder sich noch eines dazu kaufen, je nachdem, wie es gerade auf dem Konto aussieht. Dann werden die Schiffe auf dem Spielplan platziert und entweder, endlich gebaut, oder ein Kulturplättchen in den Kulturbeutel gepackt. Nur auf bereits leergeräumten Inseln, kann auch gebaut werden, und es darf auch nicht jeder bauen wie er möchte (ja auch in Asien gibt es Bauvorschriften). Es kann nur aus ausliegenden Gebäuden gewählt werden. So versucht der Spieler möglichst seine eigenen Gebäude oder Spezialgebäude auf dem Spielplan zu platzieren, je größer eine Gruppe von Häusern, desto hoher der finanzielle Ertrag. Baut man benachbart zu einem Tempel, klingelt auch die Punktekasse.

Yamatai

Nach dem Bau, kann noch ein Boot im Hafen vor Anker gelegt werden, und diese seltsamen Kulturmarker ausgegeben werden. Für drei verschiedene oder zwei identische Marken, kann der Spieler einen Spezialisten anheuern, der ihm für den Rest des Spieles eine Spezialfähigkeit verleiht, die mit Sicherheit, die sehr simplen Grundregeln von Yamatai, aus dem Gleichgewicht bringen wird. So lassen diese Spezialisten den Spieler zum Beispiel mehr Kulturmarker nehmen, besser handeln, mehr Schiffe im Hafen anlegen, oder zwingen gar andere Spieler eine Gebühr zu bezahlen, wenn sie in Nachbarschaft bauen wollen. Dieses Gebaren wird aber aktuell von der Baubehörde geprüft. Das klingt sehr nach unlauterem Wettbewerb.

War jeder Spieler am Zug, wird anhand des zuerst genommenen Flottenplättchen, die Zugreihenfolge für die nächste Runde ermittelt. So wird erforscht, kultiviert und gebaut bis entweder zu wenig verfügbare Gebäude vorhanden sind, zu viele Spezialisten angeheuert wurden oder ein Rohstoff ausgegangen ist. (Kleiner Disclaimer: Es war ne Schnappsidee auf dem Foto alle Boote auf einen Haufen zu leeren, diese sollten sortiert sein, was sie im Spiel selbst immer waren, aber der Schreiber hier war etwas zu faul)

Am Ende gewinnt natürlich der Baumeister mit den meisten Prestigepunkten.
Yamatai

Fazit zu Yamatai:

Material/Komponenten

Schaut euch die Bilder doch an, das Spiel ist optischer Augenzucker, bis der Insulinspiegel oben übergeht. Auch wenn es auf dem Spielbrett später doch etwas abstrakter wirkt, mit den ganzen Hütten und Booten, ist das Spiel eine Schönheit. Das wird wohl jeder bestätigen, und war von Days of Wonder nicht anders zu erwarten. Aber, wenn man ein Spiel im Jahr macht, muss das auch so sein, sonst heißt es Bye-Bye Aufmerksamkeit.
Die Playerboards sind zwar nur aus festem Papier, was auch gar kein Thema ist. Diese machen einen 100%igen Job, den Spieler durch seine Spielrunde zu führen. Die gewählten Icons sind selbsterklärend, und die Grafik… naja hatten wir schon.

Das Insert ist auch wieder erste Sahne, egal ob liegend, stehend oder auf dem Kopf, es bleibt alles am Platz, solange der Deckel der Box fest verschlossen ist.

Aber ich muss böse schimpfen. Days of Wonder tut etwas, was mich das Spiel hat fast nicht spielen lassen. Sie schreiben mir vor, in welchen Farben ich spielen darf, indem sie die Spielmaterialien limitieren. Sowas hasse ich wie die Pest, und kann ich nicht verstehen. Lasst den Spielern die freie Wahl, und wenn wegen 8 Holzteilchen das Spiel 2€ teurer wird, dann soll es so sein. Bitte liebe Verlage unterlasst das. Und wenn das nicht geht, bietet mir die Möglichkeit ein Upgrade zu kaufen.

Yamatai

Regelheft

Auch hier, wieder eine 1A-Geschichte. Selten so ein gut geschriebenes Handbuch gelesen. Einmal gelesen, und direkt losgespielt. Zusammen mit den Playerboards, bleiben keine Fragen offen. Auf der Rückseite ist nochmal jeder Spezialist beschrieben, und sogar die Flottenplättchen haben eine genaue Beschreibung eine Seite zuvor. Schade dass ein Buch nur eine Rückseite hat, man hätte bei zwei Rückseiten, beides unterbringen können 🙂
Yamatai
Eine Kleinigkeit ist uns aufgefallen, die nicht so gut ist. Denn ich erkläre immer gleich die Wertung, und hier wird erwähnt, dass für jedes reservierte Gebäude, was aber nicht gebaut wurde, am Ende ein Punkt abgezogen wird. Wir konnten aber die Möglichkeit ein Gebäude zu reservieren, nicht in den Regeln finden. Also das PDF heruntergeladen und danach gesucht. Und siehe da, ein Flottenplättchen gibt einem diese Möglichkeit. Da hätte ich nicht danach gesucht. Das war aber die einzige Unklarheit vor dem ersten Spiel.

Yamatai

Empfehlung

Yamatai wird seine Fans finden, da bin ich sicher. Wir gehören leider nicht dazu. Das Spiel versucht den Vielspieler anzusprechen, mit seinen vielschichtigen Möglichkeiten, aber auch gleichzeitig dem Familienspieler einen einfachen Einstieg zu gewähren. Die Idee ist gut, geht aber meiner Meinung nach in die Hose. Jeder Mechanismus für sich funktioniert prima, aber zusammen, fühlt es sich an, wie ein Frankenstein, der gerade zusammen gebaut wurde.

Die gewählten Flottenplättchen bestimmen die Zugreihenfolge. Das kann bei einem 2-Personenspiel (jeder ist pro Spielrunde zweimal dran), als Möglichkeit dazu führen, dass ein Spieler 4!!! Züge hintereinander hat. Das heißt, der andere kann dann schon mal in der Zwischenzeit das Kind ins Bett bringen, die Wäsche zusammenlegen und nen kleines Nickerchen machen. Merken muss er sich den Spielplan auch nicht, und jede Taktik/Strategie, die er sich zurecht gelegt hatte, kann er vergessen. Nach vier Zügen ist nichts, wie es zuvor war, und wenn es dumm läuft, sogar das Spiel zu Ende. Wir hatten diesen Fall einmal, und mehrfach die drei Züge hintereinander. Doppelzüge sind dann schon schlimm genug. Viele werden das dann sogar positiv finden, ich leider nicht.
Auch zu viert passt das Spiel für uns nicht zusammen, da sich in der Zwischenzeit alles verändert, und die Wartezeit schlicht zu lang ist. Wieso muss jeder Spieler alle fünf Schritte im Rundenablauf, auf einmal machen. Heute achtet man auf eine kurze Wartezeit zwischen den Zügen, will man ein breites Spielerpublikum ansprechen.

Was ich von Yamatai erwartet habe, ist ein sehr taktisches Spiel, in dem es viele Wege zum Ziel gibt. Es ist taktisch, während meines Zuges, oder im Zweipersonenspiel, wenn ich gezielt eine Doppelrunde erzwinge. Aber mit mehr Spielern kann ich keine gezielte Strategie verfolgen. Räume ich eine Insel frei, auf die ich unbedingt bauen will, kann ich fast sicher sein, dass 2 oder 3 Züge später, dort schon jemand sein Revier markiert hat, oder es zu heiligem Boden gemacht hat. Speziell in Vollbesetzung, wenn ihr in einer Runde erster seid, und in der nächsten Runde letzter, habt ihr sechs lange Runden vor euch, die ihr nur zuschauen könnt, seid ihr dann am Zug, ist sicher alles anders und euer Plan passé.
Ich habe bei Yamatai einfach wenig Chancen meinen Zug, während der Züge meiner Mitspieler, zu planen, und somit zieht sich das Spiel leider zu sehr in die Länge.

Yamatai

Diese Kulturmaker sind auch je nach Zugreihenfolge einfach schon weg, bevor ich an den Zug komme. Hat jemand das Glück und bekommt ständig Pärchen zusammen, kann er wesentlich häufiger Spezialisten anheuern, als ich es kann. Und diese sind teilweise wirklich stark. Manche vielleicht zu stark. Einer erlaubt, dass ich jeden Zug mir einfach ein Kulturplättchen nehmen darf, egal von welcher Insel. Da sind Pärchen garantiert, und dadurch schnell mehr Spezialisten.

Positiv an den Spezialisten finde ich, dass sie den Spieler wenigstens irgendeine Richtung vorschlagen, denn in diesem Spiel wird viiiiiiiiel nachgedacht. Welches Schiff lege ich zuletzt, um den anderen Spielern das Leben so schwer wie möglich zu machen, wo will ich bauen, wie komme ich da hin, wann will ich dran sein, kaufe ich ein Schiff, verkaufe ich eines, welche Boote will ich vertauschen, welchen Spezialisten will ich haben und und und…. viel zu viel, und zu lang für meinen Geschmack. Selbst, wenn Spieler dabei sind, die schnell Entscheidungen treffen können. Zu viert mit einem Grübler am Tisch, dauert das Spiel gefühlt ewig.

Ein weitere Punkt, der mich gestört hat, ist dieser Nimm-Das Effekt im Spiel zu zweit. Durch das Legen von Heiligen-Land-Plättchen, die das Bauen verhindern, oder dem zerstören und verschieben von Booten, kann ich all die Vorbereitung meines Gegners zu Nichte machen. Das ist jetzt kein Fehler vom Spiel, sondern geht schlicht gegen meine Präferenz.

Zusammenfassend kann ich also sagen: Yamatai ist kein Spiel für mich, und meine Mitspieler. Wenn überhaupt werde ich das Spiel nur noch zu dritt spielen und auch nur, wenn klar ist, dass es ein Zeitlimit für die Züge gibt. Wer also ein Spiel sucht, indem er seine grauen Zellen mal so richtig zum Rauchen bekommen kann, und dabei was wirklich Hübsches vor sich liegen hat, kann sich Yamatai mal ansehen. Alle die das Spiel gerne mal zu zweit spielen wollen, und bei denselben Dingen wie ich Bauchschmerzen haben, sollten das Spiel lieber auslassen. Days of Wonder schafft es immer wieder, Spiele zu machen, die mich komplett abholen, und die ich sehr gerne mag, und dann solche, wie die letzten 2-3 Jahre, die schlicht nix für mich sind. Yamatai ist eines davon… Schade, es ist doch so hübsch 🙂

Yamatai

Credits

Days of Wonder / Asmodee
Author: Bruno Cathala, Marc Paquien
Illustration: Jérémie Fleury
2-4 Spieler
ab 13 Jahre
ca. 40-80 Minuten

Preis

ca. 42€ (Stand Juni 2017)

Ich bedanke mich bei Days of Wonder / Asmodee für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars.

2 thoughts on “#102 Papa spielt … Yamatai

  1. David

    Du widersprichst Dir direkt zu Anfang: „Sowohl Five Tribes als auch Quadropolis haben weder mein Interesse geweckt….“, „Bei Yamatai bin ich von genau zwei Dingen angezogen worden, wie die Fliegen vom Licht: Bruno Cathala als Autor…..“.

    Wenn Bruno Cathala Dich bei Yamatai wie Fliegen das Licht angezogen hat, wieso hat Dich dann Five Tribes kalt gelassen, was ja vom selben Autor ist 😀

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