#109 Papa spielt … Die Händler von Osaka

Die Händler von Osaka
Das wirklich Schöne an der Brettspielwelt aktuell ist, dass auch Spiele aus fernen Ländern, den Weg auf unseren Tisch finden. Die Händler von Osaka ist eigentlich ein Spiel aus dem Jahre 2006 oder, weiter verbreitet, aus 2008 und hatte ein Mittelmeerthema veröffentlicht von einem kleinen Verlag, der japanische Spiele veröffentlicht, Japon Brand. Durch ZMAN-Games ist es nun in Japan gelandet und erzählt eine Geschichte vom Handel zwischen Edo (das heutige Tokyo) und Osaka.

Der Spielplan wird in die Mitte gelegt, der Markt und die Produktion mit Karten bestückt, und Handkarten ausgegeben, bis jeder Spieler mindestens einen Münzwert von acht auf der Hand hat. Die Karten haben als Handkarten die Funktion von Geld, in der Marktauslage als Waren, die zum angegebenen Preis gekauft werden müssen, als Versicherungen bei Schiffsunglücken, und am Ende als Siegpunkte. Ist ein Spieler am Zug, kann er sich zwischen drei Aktionen entscheiden. Er nimmt eine Karte aus dem Markt auf seine Hand, er reserviert eine Karte im Markt oder der Produktion, die nur er nehmen und kaufen kann, oder er kauft die gesamte Marktauslage (abzüglich der reservierten Karten anderer Spieler).

Immer, wenn Waren gekauft werden, bewegen sich auch die jeweilig farblich passenden Schiffe auf dem Spielplan. Wird eine Farbe einer Warensorte gekauft, bewegt sich das Schiff ein Feld, bei zwei oder mehr Waren, bewegt sich das Schiff zwei Felder weit. Die gekauften Waren legt der Spieler vor sich ab. Endet ein Schiff in Edo, kommt es zu einer Wertung dieser Warensorte/Farbe. Hier wird es mathematisch, dass man glauben könnte es sei ein Knizia Spiel. Aber alles halb so wild, das kleine 1×1 sollte man allerdings beherrschen.

Alle Schiffe, die in der schwarzen Strömung, die zwei Felder vor Edo, sind, verlieren ihre Ladung; das heißt, die gesammelten Warenkarten der jeweiligen Farben, müssen von den Spielern abgegeben werden, so sie diese nicht durch Handkarten (ver)sichern können. Jeder Spieler, der die Waren werten konnte, nimmt sich entsprechend viele Punkte in seinen Punktekartenstapel. Zusätzlich bekommen die Spieler noch ein Ertragsplättchen der gewerteten Farbe.

Das Spiel endet, wenn einer Spieler acht Ertragsplättchen hat, und gewonnen hat der Spieler mit den meisten Karten im Punktekartenstapel.

Die Händler von Osaka

Fazit zu Die Händler von Osaka:

Material/Komponenten

Diese Neuauflage sieht absolut tolle aus. Das Material, das in der Schachtel liegt, die vollgepackt, ohne die üblichen Luftzugabe ist, ist von guter Qualität. Die Karten fühlen sich etwas dünn an, sind aber haltbar, und werden ja auch nicht so oft gemischt. Alles auf dem Tisch hat einen geringen Platzanspruch, was ich sehr gut finde. Gut ist auch, dass Handelswaren und Schiffe, andere Farben haben, als die Spielerfarben, so kann es zu keinen Verwechslungen kommen, und verhindert die Frage, die doch zweimal kam: Welches Schiff gehört mir?

Die Händler von Osaka

Regelheft

Die Anleitung lässt das Spiel etwas komplexer aussehen, als es eigentlich ist. Zudem enthält sie einen Druckfehler, der Produktion und Ablagestapel falsch auf dem Spielbrett markiert und hat eine seltsame Reihenfolge der möglichen Aktionen gewählt. Statt kaufen, nehmen und dann reservieren, hätte ich folgende Reihenfolge gewählt: Nehmen, reservieren, kaufen. Das ist nämlich auch die Reihenfolge, die natürlicherweise im Spiel auftritt. Sonst enthält die Anleitung wichtige Beispiele, speziell bei der Berechnung der Punkte einer Wertungsphase. Hier wäre der Text alleine wahrscheinlich zu wirr gewesen. Im Grunde sind die Regeln simpel.

Die Händler von Osaka

Empfehlung

Die Händler von Osaka ist ein kleines taktisches Kartenspiel, was ich sehr sehr gerne mag. Speziell im Spiel zu zweit und zu dritt gefällt es mir sehr gut. Zu viert ist es mir zu chaotisch und zu unplanbar. Perfekt sind zwei Spieler, hier entfaltet das Spiel, für mich das komplette taktische Potential.

Die Karten sind sehr simpel, aber auch clever gemacht. Es gibt nur die Werte 2, 3 und 5. Sicher möchte man immer die 5 nehmen, um mehr Geld auf der Hand zu haben, wäre da nicht die schwarze Strömung und der damit verbundene Warenverlust. Die Karten mit dem kleinsten Wert, versichern zwei Waren, und die 3 nur eine Karte. Die 5 bietet dagegen gar keine Versicherung.

Spannend ist auch die Aussicht auf de Produktion, Karten die auf den Markt kommen, wenn der Markt aufgebraucht oder gekauft wurde. Wenn ich mich entscheide zu kaufen, muss ich immer im Blick haben, welche Karten ich dann meinem Gegner zur Verfügung stelle. Genauso muss man sich entscheiden, ob man sich auf eine oder zwei Warentypen spezialisiert, denn der Multiplikator kann dann beim berechnen der Siegpunkte einen Unterschied machen. Selbst das reservieren der Karten im Markt geben dem Gegner einen Vorteil, da nun der Auskauf billiger wird. Aber vielleicht versucht der Spieler genau das zu provozieren.

Ich habe diese Anleitung sicher vier mal gelesen, und war überrascht, welch tiefgehendes Spiel sind in dieser kleinen Schachtel befindet, nachdem ich das Spiel dann tatsächlich verstanden hatte. Es lag ein bisschen an der Anleitung, aber auch an den etwas ungewöhnlichen Konzepten, wie die Punkte berechnet werden. Das Spiel erinnerte mich, was das Verhälnis von äußerlichem zu tatsächlichem Inhalt angeht, ein wenig an Arboretum, eine kleine Tardis unter den Spielen. Ist Innen viel größer, als sie von Außen wirkt.

Nicht umsonst hat diese kleine Perle eine neue Auflage bekommen, und Freunde von strategischen, cleveren Kartenmanagement und Set-Sammelspielen, sollten sich Die Händler von Osaka unbedingt anschauen.

Die Händler von Osaka

Credits

ZMAN-Games / Asmodee
Author: Susumu Kawasaki
Grafik: Atha Kanaani
2-4 Spieler
ab 10 Jahre
ca. 30 Minuten

Preis

ca. 21€ (Stand August 2017)

Ich bedanke mich bei Asmodee für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars.

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