#115 Solopartie … Imperial Settlers

Imperial Settlers
Zu Imperial Settlers musste man mich fast schon schieben. Angetan vom Schachtelaussehen, war ich super lange skeptisch. Ich habe Berichte gehört, das das Spiel ewig dauern soll, und einige Völker stärker sein sollen als andere, und es fast unfair ist, gegen neue Spieler zu spielen, da ein Kenner einen riesen Vorteil haben soll. Irgendwann habe ich dann gesehen: Hey das Spiel hat einen Solo-Mode…. Problem gelöst. Und lass die anderen reden.
Ich kann das Spiel insgesamt tatsächlich nur aus der Solospieler-Perspektive beurteilen, da ich es nie mit jemanden zusammen gespielt habe.

Das Solospiel

Nachdem du dich für ein Volk entschieden hast, legst du das Tableau vor dir ab. Hierbei stehen dir im Grundspiel vier Völker zur Verfügung, die alle unterschiedliche Stärken haben:
Barbaren: Die sind schlicht viele, gaaanz viele.
Römer: Die Aggressoren im Spiel. Leider weit und breit kein Gallier.
Ägypter: Die Bonzen, mit Gold zum Ziel.
Japaner: Die Harakiri-Faktion und Samurais

Während des Spieles kannst du Handkarten ausspielen, und damit dann entweder allgemeine Gebäude rechts vom Tableau bauen, oder spezielle völkerspezifische Gebäude bauen, die links platziert werden. Diese Gebäude bringen dann wieder Produktion oder bestimmte Spieleffekte ins Spiel, die entweder in der Produktionsphase ausgelöst werden, oder vom Spieler in seinem Zug genutzt werden können. Es lassen sich so tolle Kombinationen aufbauen, die zu wahren Feuerwerken an Aktionen werden können. Es ist möglich den neutralen Gegner anzugreifen, und über einen speziellen Kartenstapel, wird dieser dir auch am Ende einer jeden Runde, bis zu zwei Gebäude zerstören. Ziel des Spieles ist es im ersten Moment, mehr Gebäude als der neutrale Spieler gebaut zu haben, und dann seinen eigenen Highscore zu knacken. Hat der neutrale Spieler am Ende mehr Gebäude als du, egal ob deine Zerstörten, oder diejenigen, die du ihm nicht zerstört hast, verlierst du das Spiel, und kannst dir die Punktezählerei sparen.

Imperial Settlers

Jede Runde bekommst du drei neue Karten (nach einem Solodrafting-Mechanismus), und der neutrale Spieler zwei Karten, die offen als deine Ziele gelten können. Der Vorteil, die Gegnerkarten zu zerstören liegt darin, dass es dir Ressourcen einbringt, und er natürlich dadurch, am Ende, eine Karte weniger gegen dich hat.
Nach der Kartenphase spielst du alleine das Spiel. Du bekommst deine Ressourcen aus deinen Produktionsgebäuden und den Handelsabkommen, spielst deine Karten, tauschst, handelst, reißt Gebäude wieder ein und so weiter. Wenn du entscheidest die Runde zu beenden, oder du keine möglichen Aktionen mehr übrig hast, wird der Gegner dich angreifen.

So wird fünf Runden gespielt, und jede Runde ist es wahrscheinlicher, dass der Gegner auch trifft. Am Ende zählst du deine Punkte und hoffst deinen Highscore geknackt zu haben.

Imperial Settlers

Weitere Völker

Imperial Settlers
Die Atlanter:
Was wissen wir über Atlantis? Richtig, es ist untergegangen! So passiert das auch diesem Volk. Alle Völkergebäude werden am Ende des Spieles NULL Punkte ergeben. Pech. Aber sie sind nicht machtlos, denn sie haben Technologien. Diese verbessern die Standardgebäude und verdoppeln die Produktion, oder ermöglichen es, die Gebäude mehr als einmal zu nutzen, oder bieten einen speziellen Schutz. Sollte ein Gebäude dann doch, trotz dieser Technologie zerstört werden, gibt es als Entschädigung Siegpunkte. Die Atlanter müssen während des Spieles so viele Punkte wie möglich erarbeiten, da wie gesagt… Untergang und so.

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Die Azteken:
Die Stärke dieses Volkes kommt von den Göttern. Und wenn man will, das diese helfen, muss man beten. Der Beten-Mechanismus erlaubt es, durch bestimmte Gebäudekarten vom allgemeinen Kartenstapel zu ziehen. Entweder muss man vorher ansagen, welche Farbe man haben will, und wird demnach belohnt oder nicht. Oder schlicht die Farben, die gezogen werden, bestimmen die Gaben der Götter. Zusätzlich kann Segen gesammelt werden, um diesen Push-Your-Luck Mechanismus zu verstärken oder zu mitigieren.

Imperial Settlers

Fazit zu Imperial Settlers

Material/Komponenten

Wenn ich über das Material von Imperial Settlers reden soll, muss ich über die Karten reden. Diese sind von sehr guter Qualität, und gegenüber der US-Ausgabe, sogar noch um einiges verbessert worden, was die Übersichtlichkeit angeht. Es sind nämlich alle Informationen, die die Karte selbst betreffen, auf den linken Rand gerückt würden, und damit einfach zu finden. Ist keine Mega-Änderung, aber ich finde, es macht einen Unterschied, wenn man die Karten aufgefächert in der Hand hält.
Die Holzteile und Token sind liebevoll gestaltet und von ordentlicher Qualität. Der Scoring-Marker ist mir zu klein, hier hätte alles bisschen größer sein können.
Kritik habe ich nur an den Völker-Tableaus der Erweiterungen. Diese sind jetzt nicht mehr aus einem Stück, oder gefaltet, sondern müssen zusammengepuzzelt werden. Da hätte ich lieber eine andere Lösung gehabt.
Imperial Settlers

Regelheft

Die Regeln sind super und gut erklärt. Viele Beispiele, und einige Karten werden nochmals genauer beleuchtet. Speziell im Solo-Spiel hat mich der Angriff des virtuellen Gegners anfangs arg irritiert. Aber es konnte alles durch die Beispiele geklärt werden. Nicht so toll finde ich, dass es für den Solomodus keine Handhabung verschiedener Karten gibt, die im Solomodus keinen Effekt haben, weil kein Mitspieler vorhanden ist. Dadurch, dass ich einige Erweiterungen habe, und das Spiel nur solo spiele, habe ich diese Karten aussortiert und durch Karten der Erweiterung ersetzt (nach den Deckbauregeln)
Imperial Settlers

Empfehlung

Die entscheidende Frage: Kann ich Imperial Settlers als Spiel, speziell als Solospiel empfehlen? Absolut, speziell im Solospiel. Mit mehr Spielern, was ich nie probiert habe, würde ich mit maximal einem Mitspieler spielen, denn die späteren Runden können lang werden. Das bedeutet dann laaaaaange warten, bis man wieder dran ist. Solo spiele ich das Spiel inzwischen in 30-45 Minuten, und damit fällt es in die Kategorie: geht noch schnell am Abend, auch wenn ich schon etwas müde bin. Das Setup ist einfach: Drei Kartenstabel mischen, Völkertableau auslegen, alle Ressourcen auf einen Haufen leeren, und los geht es. Sowas schätze ich sehr.

Das Spiel hat einen langsamen Start, und ist die ersten beiden Runden tatsächlich mehr Arbeit als Vergnügen. Wer es hier verpasst, gute Karten auszulegen, oder sich einen Plan zurecht legt, kann den Highscore irgendwann direkt vergessen. Ich breche dann inzwischen schon mal eine Partie ab, wenn ich merke, das Kartenglück war mir Anfangs nicht hold. Ich spiele solo, also darf ich das. Spätestens in der dritten Runde nimmt das Spiel an Fahrt auf, und es macht Spaß die verschiedenen Kombos und Maschinerien zum Laufen zu bringen.

Durch das Vorhandensein von inzwischen sechs Völkern, die sich alle samt komplett verschieden spielen, und das gemeinsame Kartendeck, was das Spiel, dann doch nicht jedesmal komplett anders erscheinen lässt, kommt definitiv keine Langeweile auf.

Die neuen Völker spielen sich toll, und speziell die Azteken schätze ich, da Push-Your-Luck absolut zu meinen Lieblingsmechanismen gehört. Thematisch finde ich die Atlanter am Besten getroffen. Du weißt, am Ende geht deine Zivilisation unter.

Dennoch habe ich mich auf die Ägypter eingeschossen, und bin der Meinung, diese inzwischen so gut zu beherrschen, dass es unfair wäre, gegen einen Neuling, sprich meine Frau anzutreten. Jemand, der das Spiel einige Male gespielt hat, wird seinen neuen Gegner komplett nass machen. Eine Eigenschaft, die nicht immer positiv ist, wenn man nicht so auf Wettbewerb in Spielen steht.

Mich hat Imperial Settlers doch einige Zeit amüsiert, und sicher 30-40 Partien gut unterhalten. Allerdings bin ich inzwischen des Spieles müde geworden, vielleicht, weil der einzige Gegner der Highscore ist. Ein paar letzte Worte, zu den Erweiterungen: ich empfehle dringend, nicht gleich All-In zu gehen, und direkt alle Erweiterungen zu kaufen. Die Fülle an Karten kann überfordernd wirken. Denn fast jede Erweiterung bringt weitere Karten für alle Völker mit, mit denen das Standarddeck aus der Grundbox angepasst werden kann. Ich habe bis zum heutigen Tag, selbst noch nicht alles verwendet.
Ich kann das Spiel also allen Solospielern empfehlen, die Spaß am Aufbau einer Maschinerie haben, und sich ne knappe Stunden unterhalten lassen wollen. Die knuffige Grafik macht Spaß und die klaren Regeln machen das Spiel sehr zugänglich.

Imperial Settlers

Credits

Pegasus Spiele
Author: Ignacy Trzewiczek
Grafik: viele
1-4 Spieler
ab 10 Jahre
ca. 45 – 60 Minuten pro Spieler

Preis

ca. 27€ (Stand Oktober 2017), 18€/7€ Erweiterungen

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