#132 Papa spricht über … Top Solospiele 2017


Nach meiner Topliste der Mehrpersonenspiele habe ich ja angekündigt, auch eine Sololiste zu veröffentlichen: Top Solospiele 2017. Seit gut einem Jahr habe ich mich den Solospielen verschrieben. Anfangs war es ein Notbehelf, ein Ausgleich für wenig Gelegenheit sich mit anderen an den Tisch zu setzen. Ich habe viel ausprobiert, und viel Mist gespielt. Aber da waren dann auch die Perlen, und ganz besondere Solospiele, die mir über den Weg gelaufen sind. Viele sind vielleicht nicht als solche im Bewusstsein, aber dennoch hervorragend geeignet, solo zu spielen. Die Liste könnte viel länger sein, aber ich Beschränke mich auf meine Lieblinge…

Goritaire


Das neuste Solospiel in meiner Sammlung, und schon sicher 20 Runden gespielt. Das Spiel besteht aus zwei Kartentypen. Gorillas und Bananen. Ziel ist es, 7 Gorillas in die unterste Reihe einer pyramidenförmigen Kartenauslage zu bringen. Das Problem, jeder Gorilla muss auch mit Bananen gefüttert werden. Da man nur wenige Handkarten hat, muss man mit den Sonderaktionen, die jeder Schwierigkeitsgrad mit sich bringt, zurecht kommen. So ist es möglich, sich hypothetische Bananen zu erarbeiten. Das klingt crazy, ist es auch. Das Spiel ist voll von schwarzem Humor und echt ein knackiges Solitaire. Das Thema ist schräg, die Aktionen sind schräg, und die Illustrationen gigantisch gut. Zudem ist das Spiel wohl so skurril, dass ich es lieben muss.

The Gallerist/Vinhos/Lisboa


Diese drei großartigen Spiele sieht der ein oder andere vielleicht weniger als Solospiel. Aber ich habe sie primär dafür gekauft, denn jedes von ihnen ist hervorragend als Solospiel geeignet. Diese Spiele strahlen Klasse aus, alleine schon durch die Ausstattung und die Mega-Box, in der sie geliefert werden. Zudem sind die Designs von Vital Lacerda alle samt brillant. Die Basis-Mechanismen sind simpel, nur die Verwobenheit der Entscheidungen ist es, was diese Spiele so komplex macht. Mein Einstieg war The Gallerist, ein hübsches, aber knallhartes Wirtschaftsspiel. Man investiert in Kunst, in Künstler und versucht Käufer für seine Kunst zu finden. In Vinhos geht es um Wein. Anbau, Lagerung, und das Beeindrucken von Jury-Richtern bei Weinaustellungen. Lisboa, sein bisher komplexeste Spiel, spielt den Wiederaufbau Lissabons nach. Alle drei Spiele habe ich exakt einmal gespielt, und Lisboa nicht wirklich vollständig begriffen. Aber dennoch sind mir diese Spiele ans Herz gewachsen, und der Vorsatz ist, diese Spiele das nächste Jahr öfter zu spielen. Und zwar nicht nur Solo.

Herbaceous


Herbaceous ist ein kleines Kartenspiel, mit vollkommen grandioser Optik und sehr simplen Regeln. Man hat vier Töpfe, in die man Kräuter stecken kann. Diese können mit Sets aus Kräutern bestückt werden. Man muss nur entscheiden, ob man die erste Karte, die man zieht in seinen Vorrat legt, oder die nächste Karrte. Sollte man die Erste nicht nehmen, kommt diese in den gemeinsamen Vorrat aller Spieler… Somit hat dieses Spiel einen sehr netten Push-Your-Luck-Mechanismus und einen soliden Solo-Modus, der es sogar erlaubt, das Spiel direkt zweimal hintereinander zu spielen, da man das Kartendeck in zwei Teile teilt. Wenn man in der ersten Runde aufpasst, wird man wissen, welche Karten in der zweiten Runde noch verfügbar sind. Das hat für mich den extra Reiz ausgemacht.

Terraforming Mars


Das Spiel kennt vermutlich jeder. Ich schätze dieses Spiel sehr. Ich liebe das verwendete Artwork, ich schätze den Spielfluss, die Variabilität der Karten und die Herausforderung. Denn das Zeitlimit (Generationen) macht es nicht ganz trivial, das Spiel zu schlagen. Es gilt den Mars zu terraformen, die Temperatur zu erhöhen und den Sauerstoffgehalt in der Atmosphäre zu steigern. Solo spielt es sich fast, wie mit anderen Spielern zusammen, nur dass hier die Profi-Drafting-Variante nicht klappt. Ich habe eine Variante im Netz gefunden, nach der ich dann spiele. Viele sagen, es macht das Spiel einfacher: Mir egal… ich mag das Thema und das Spiel.

Ein Fest für Odin


Rauben, plündern und saufen: so stellt man sich die Wikinger vor. Weit gefehlt. Landwirtschaft, Viehzucht und Puzzlen, das ist das Tagesgeschäft der Wikinger. Nun gut, ein bisschen Walfang und Räuber spielen… Aber im Kern eine typische Rosenberg-Landwirtschaftssimulation. Ich mag das Spiel höchstens zu zweit spielen, da es mir sonst zu zäh wird. Am liebsten aber tatsächlich solo, da diese Solovariante sich anfühlt, als würde man gegen einen echten Mitspieler spielen. Ich habe bereits viele Wege ausprobiert, und bin noch immer nicht sicher, welche Strategie die beste ist. Aber das ist auch egal, denn egal wie ich spiele, es macht mir Spaß. Manchmal regt man sich bisschen über die gezogenen Karten auf, und manchmal fliegt der Würfel quer durchs Zimmer… aber am Ende ist es ein total gutes Solospiel, was geübte Spieler locker in 45 Minuten Aufbauen, spielen und abbauen können, und das obwohl ca 100000000 Teile in dem Karton sind 🙂 Hier ist meine ausführliche Rezension dazu.

Nations


Stundenlang ne Stadt und Civilisation aufbauen, bis ein unfairer Gegner kommt, und dir alles in Schutt und Asche legt… also so sahen meine Abenteuer am PC immer aus… zum Glück konnte man speichern. Als Brettspiel, speziell solo, tue ich mich noch schwer mit Spielen jenseits der 2h Marke. Nations passt aber prima in die 60-90 Minuten und hat für mich, den einfachsten, cleversten und doch herausfordernden AI-Gegner, den ich aus Mehrpersonenspielen kenne. Unglaublich kriegslustig, nimmt dir garantiert die Karten, die du brauchst… selbst Schuld, würfle besser 🙂

Tolles Thema, tolle Völker, die ich durch die englische Erweiterung ergänzt habe, und somit noch viele Spiele erleben werde…. absolutes Highlight für mich, dieses Spiel.

Age of Steam


Wenn Männer alt werden, spielen sie mit Eisenbahnen… Tschu Tsschuuu…..
Meine Frau braucht keine Angst davor haben, wenn ich in Rente gehe. Ich werde ein Hobby haben, und genug Zeit ist dann auch, die 150 oder mehr Erweiterungsmaps zu spielen 🙂 Gut solo sind es nur wenige, aber es geht. Ich habe Cuba kurz angespielt… und damit schummelt sich dieses Spiel quasi auf die Liste. Aber es war wenig Zeit, da ich es kurz vor Weihnachten endlich gekauft hatte, und Alban Viard doch etwas gebraucht hat, mir die Maps zu schicken. Ich hoffe, dass Age of Steam im Jahr 2018 sich so gut präsentiert, dass ich es regelmäßig spielen werde. Ich hab unglaublich Bock drauf, und wenn ich nur ein Spiel behalten dürfte, dann wäre es dieses. Aber malen wir den Teufel nicht an die Wand.

Tramways


Nachdem ich Age of Steam erwähnt habe, könnte ich das hier weglassen. Denn es ist sehr inspiriert durch den Klassiker. Aber ich tue es nicht. Ich liebe das Design, und die Ideen, die in dem Spiel stecken. Ein Deckbauer, ein Auktionsspiel, ein Transportationspiel, und ein Zugspiel in Einem. Ist wie Weihnachten. Bisher habe ich es nur Solo gespielt, was leider ohne die Auktion auskommen muss. Diese ist auch etwas der Knackpunkt. Ich habe es schon zwei Mal versucht zu erklären, aber nach der Auktionserklärung, war bei den Mitspielern plötzlich die Lust weg… kann ich gar nicht verstehen :). Solo ist es ganz gut, da durch das modulare Board es immer bisschen anders ist. Ein hübsches Solo-Puzzle.

Pentaquark


Pentaquark ist ein reines Solokartenspiel aus der Walletreihe von Button Shy Games. Das sind kleine Microgames, in einem feinen kleinen Plastikumschlag. Perfekt für die Hosentasche. Petaquark war das erste reine Solospiel, und handelt thematisch von etwas, was ich nicht mal in meiner Chemie-Studienzeit verstanden habe. Quarks bauen… 🙂
Egal man versucht über bestimmte Regeln und Paarungen zu bilden, und nicht zu viele Karten zu verlieren, wenn neu gemischt wird. Eine spezielle Kombination ergibt dann einen Pentaquark, und so gewinnt man dieses Spiel. Es ist mechanisch sehr einfach, aber Hölle ist das Spiel schwer zu knacken. Ich habe Pentaquark immer dabei, wenn ich irgendwo unterwegs bin. Andere Walletgames kamen leider nicht an dieses heran. Schade, dass man so schwer drankommt.

Songbirds


Hübsch, Hübsch, Hübsch…. ein Blindkauf in Essen 2017. Und das Spiel, weswegen ich eines Restaurants verwiesen wurde. Songbirds selbst ist solo ein interessantes Raster-Kartenlegespiel, was für mich ein ähnlich positives Spielgefühl wie Arboretum erweckt. Denn man muss viel voraussehen, und sich irgendwann entscheiden, welche Farbe man wertet. Das Problem, dass die anderen dann Minuspunkte geben. Bisher habe ich es nur einmal geschafft, das Spiel mit einer positiven Bilanz zu schlagen… noch viel zu tun 🙂

Arkham Noir


Eine weitere Errungenschaft. Ein Solospiel, im Arkham Universum. Ich habe hier schon einige versucht, und nie hat es wirklich gereicht. Ob es nun das neue LCG war, Arkham Horror, Eldritch Horror oder Elder Sign. In Arkham Noir versucht man Karten so gut anzulegen, mehrere Mordfälle zu lösen und ein Set an Hinweisen zu finden, um das Spiel zu gewinnen. Dazu muss man gründlich mit seinen Entscheidungen sein.

Mir gefällt sowohl die Aufmachung, als auch das schon fast klassische Spielprinzip. Auch wenn es etwas mehr Platz auf dem Tisch braucht, und ich es noch nicht geschlagen habe, wird es 2018 wohl öfter auf den Tisch kommen. Und ich hoffe, es wird weitere Fälle geben…

Palymra


Palmyra war auch wieder eher so ein Zufallsfund. Ein sehr cleveres Plättchenlegespiel. Wenig Regeln, aber tiefgehende Entscheidungen. Man kann seinen Censor losschicken, um Geld einzutreiben, oder seine Armeen, um neue Ländereien zu bekommen. Beides muss in Balance gehalten werden, um größtmöglichen Profit am Ende zu machen. Im Solospiel, was sich exakt so spielt wie das Zweipersonenspiel, werden im Regelheft Ziele gesetzt, die man erreichen soll. Gar nicht so simpel. Ich mag es sehr, weil es etwas anders ist, schnell aus der Schachtel geleert und dann eben gleich losgespielt ist. Bisschen ein Solitäre Carcassonne, wobei es keine Ähnlichkeit damit hat. Nur das Gefühl dabei, würde ich so beschreiben. Der besondere Kniff, sind eben die verscheiden Größen der Plättchen, die nicht immer Berührungspunkte zueinander haben. Also genau drauf achten, welche Plättchengröße man nachzieht, und wo man diese anlegt; schnell schneidet man sich dem Weg ab, und man muss seine Leute neu platzieren.
Nicht das letzte Solospiel von Bernd Eisenstein, über das wir 2018 reden werden.

The Lost Expedition


Dieses Spiel hat mir eine Lektion im Marktpreispolitik erteilt. Ich habe es für fast 30 € gekauft, weil ich es SOFORT haben musste. Hatte keine Ahnung, worum es in dem Spiel ging, aber die Optik ist der Hammer. Keine Woche später war es zum Ramschpreis zu bekommen. Und dabei war das Spiel noch nicht mal wirklich überall verfügbar.

Egal. Das Spiel ist ein hervorragendes Solospiel und hat Osprey Games auf meinen Radar geholt. Grandiose Produktion und sehr elegantes Spieldesign. Es geht dir schlecht in diesem Spiel. Der Zufall spielt eine große Rolle und es ist IMMER knapp. Aber Hölle, du gehst hier nicht Schaufensterbummeln, sondern kämpfst dich durch nen Dschungel. Das ist mit Opfern verbunden, nicht jeder wird es schaffen. Ich spiele es nur solo. Aber ich bin wirklich angefixed, das Spiel kooperativ zu spielen, oder gar gegeneinander. Besonders freue tue ich mich auf die Adaption auf das Judge Dredd Thema. Mal sehen, was Peer hier draus macht. Optisch wird es wieder Hammer…

Nautilion


Vom Dschungel in die See. Wer Solospiele liebt, kommt an Shadi Torbey nicht vorbei. Das Einzige, was jemals auf deutsch erschienen ist, ist Onirim. Eine ganz popelige Version, gekürzt und misshandelt. Wer es richtig machen will, kauft sich die französische Edition, oder die US Edition in der quadratischen Box. Alleine das auspacken des Spieles ist ein Erlebnis. Und das gilt für alle seine Spiele in diesem Format: Onirim, Castellion, Sylvion und Nautilion. Letzters… Sorry, keine Ahnung, wo man es noch kaufen kann, ist praktisch ein Würfel-Laufspiel. Ganz simpel. Aber natürlich mit der Shadi Behandlung. Es ist gigantisch hübsch, kompakt und knifflig. Du musst Crew für dein Uboot sammeln, und zwar bevor das Phantomuboot am Ziel ankommt. Du fährst ihm entgegen. Drei Würfel entscheiden, wer wie viel wohin zieht… und welcher Würfel an wen geht, entscheidest du. Ich habe bei dem Spiel nur an der Oberfläche gekratzt, aber will es sicher noch viele Male spielen. Gleiches gilt für die anderen Teile: ich hoffe zudem auf einen weiteren Geniestreich, und dass Urbion die gleiche Behandlung bekommt, wie die übrigen Spiele… das war bisher nämlich nicht aufzutreiben.

Nemo’s War


Die wahrscheinlich schönste Schachtel in meiner Sammlung, vom vermutlich talentiertesten Künstler gerade, in der Brettspielwelt: Ian O’Toole. Wenn er zeichnet, fliegt das Geld automatisch aus meinem Geldbeutel. Bei Nemo’s War habe ich lange gezögert, vermutlich wegen dem „War“ im Namen. Aber wer ein aufwendiges Solospiel sucht, das einem eine gute Story liefert, einem Freiheiten lässt, wie eine gut geölte Maschine läuft und auf das Thema steht, dem empfehle ich unbedingt Nemo’s War, in dieser Edition.

Es ist ein reines Solospiel, die kooperativen Regeln machen in meinen Augen wenig Sinn, aber wer sich drauf einlässt, wird die Abenteuer des Captain Nemo erleben. Er setzt seine Crew aufs Spiel, stiftet Unruhe in der Welt, Jagd nach Schätzen, versenkt Frachtschiffe und Kriegsschiffe. Besonders gefällt mir, dass Anfangs des Spiels eigentlich keiner Nemo kennt. Je mehr man aber in Aktion tritt und unvorsichtig wird, desto mehr wehrt sich die Welt gegen diesen Tyrannen der Weltmeere. Ob man nun selbst eher forschen, erkunden, oder kämpfen will, entscheidet man selbst im Spiel gleich zu Beginn, das ist sein Motiv. Ich habe es zweimal gespielt und bin in dieses Spiel verliebt. So sehr, dass es mich schmerzt, so wenig Zeit dafür zu finden, auch weil ich Artikel wie diese schreibe. Ich habe mir wegen diesem und anderen Spielen vorgenommen, 2018 weniger neuen Kram zu spielen, und mehr diese großartigen Werke zu würdigen. Heißt das nun, nix neues an der Solospielerfront? Ganz so wird es nicht sein:

Ein ganz heißes Eisen wartet dieses Jahr auf mich. Mr. President von GMT…. hoffentlich wird es kommen… es wird ein episches Solospiel… hoffentlich ganz ohne den Trump-Faktor.

Fazit

Solospiele faszinieren mich, und werden weiterhin zu meinem Repertoire gehören. Wer einmal diesen Weg gegangen ist, kann nicht mehr zurück. Ich hoffe, ich konnte euch Einige Spiele zeigen, von denen Ihr noch nie was gehört habt, und vielleicht versucht ihr mal nen Solospiel. Ich werde versuchen, im kommenden Jahr 2018 deutlich mehr über Solospiele zu berichten.

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