#136 Papa spielt … Sebastian Fitzek Safehouse

Sebastian Fitzek Safehouse

Ich gebe zu, ich hatte bis zu diesem Spiel keine Ahnung, wer Sebastian Fitzek ist. Auch verwunderte mich die Suche nach dem Roman: Safehouse, den gibt es nämlich nicht. Aber wäre ja nicht das erste Spiel nach Romanvorlage, wo ich den Roman nicht gelesen habe. Muss ja auch für die Unwissenden funktionieren.

Sebastian Fitzek Safehouse ist eigentlich ein simples (Weg-)Laufspiel, wären da nicht die kleinen aber feinen Gängelungen des Regelhefts. Gespielt wird gegen die Uhr, ein Kartendeck und einen Verfolger, der den Zeugen des Mordes verfolgt. Ziel ist es, vor dem Verfolger, der euch sonst sicher mundtot machen wird, im Safehouse anzukommen, um von dort aus ins Zeugenschutzprogramm aufgenommen zu werden.
Wer nun aber Würfel in diesem Laufspiel sucht, wird enttäuscht.

Jeder Spieler bekommt verschiedenfarbige Fluchtarten auf die Hand, die in erster Linie Zahlwerte von 1-15 enthalten. Ihr durchlauft mehrere Spielpläne, die jeweils einen Titel haben (Hotelzimmer, Hafen, …) und müsst dazu Kapitelkarten erfüllen. Gespielt wird reihum und kooperativ. Wird eine Kapitelkarte ausgespielt, müssen die dort angegebenen farbigen Fluchtkarten in aufsteigender Reihenfolge von den Spielern angelegt werden, ohne diese nach dem Anlegen umzusortieren. Dazu ist es unbedingt erforderlich, sich gut abzustimmen. Aber es ist verboten sich die Karten gegenseitig zu zeigen, oder über konkrete Werte zu sprechen. Man darf also sagen: „Ich habe eine hohe gelbe Karte“, aber nicht: „Ich habe eine gelbe 12“.

Jedes Kapitel bietet noch eine weitere Möglichkeit, eine aufgedruckte Spezialkarte, die einmal gelöst werden kann. Es wird eine bestimmte Anzahl an Karten benötigt, die dieselbe Aufschrift, des jeweiligen Kapitels tragen. Diese müssen in aufsteigender Reihenfolge dort abgelegt werden. Farben spielen in diesem Fall keine Rolle.

Ein Spieler entscheidet selbst, ob er eine Kapitelkarte ausspielt und wo und wie viel er bei den anderen Spielern anlegt. Die erfüllten Kapitelkarten erlauben es dem Zeugen vorwärts zu ziehen. Aber Achtung!, es gibt Felder auf der Strecke, die es auch dem Verfolger erlauben weiterzuziehen, und alle zwei Minuten zieht er sowieso ein Feld weiter.

Am Ende seines Zuges füllt der Spieler wieder seine Kartenhand auf. Sollte er dabei Verfolgerkarten ziehen, die dem Verfolger Schritte erlauben, muss er nach dem Ziehen der Karte, erneut eine Karte nehmen.

So wird nun Kapitel für Kapitel gespielt, bis entweder das Safehouse erreicht ist, oder man vom Verfolger eingeholt wird.

Sebastian Fitzek Safehouse

Zusätzlich, falls das Spiel zu leicht wird, bietet es noch einen komplexeren Modus: Es muss noch ermittelt werden, was genau passiert ist. Wer ist der Mörder, welches Motiv, welche Spuren wurden zurückgelassen, welche Tatwaffe. Dazu müssen Karten in absteigender Reihenfolge unter den Ermittlungsbereich gelegt werden. Auf den Karten befinden sich noch Indiziensymbole, die dann jeweils im Bereich umgedreht werden müssen. Am Ende des Spieles müssen dann in jeder Kategorie genau ein Indiz auf der hellen Seite zu sehen sein. Nur dann kann das Spiel gewonnen werden.

Sebastian Fitzek Safehouse

Fazit zu Sebastian Fitzek Safehouse:

Material/Komponenten

In fast allen Belangen kommt das Spiel hier schlecht weg. Zunächst einmal die Karten, die ja in dem hektischen Spiel die Hauptrolle spielen. Nicht nur sind sie für mich zu funktional gestaltet, also grafisch wenig ansprechend, sondern auch noch sehr einfach in der Qualität, wie man sie eigentlich nur aus dem großen Hasbro Massenmarktspielen kennt. Sehr dünn und dann auch noch nen schwarzen Rand. Die Indiziensymbole sind uns oft zu klein und zu indifferent gewesen. Man musste, gerade mit neuen Spielern, oft sehr genau hinschauen, welche Person da abgebildet ist. Opfer oder Täter? Auch Spritze und Lötkolben wurden mehrfach verwechselt.

Und leider muss auch das Highlight des Spieles, welches auf das Spiel erst aufmerksam gemacht hat, kritisiert werden. Wenn schon ein Popup-Buch verwendet wird, sollte das Spielbrett auch offen bleiben, und sich nicht beidseitig nach oben biegen. Wir haben dem Spielbrett bis an die Belastungsgrenze dessen, was der Brettspiel-Liebhaber bereit ist zu tun, Gewalt angetan, und es gebogen und gezerrt. Hat alles nix gebracht, zu groß die Angst das Safehouse in zwei Teile zu reißen. Sprich wir mussten das Spielbrett an mehreren Stellen beschweren, dass es offen bleibt. (Auf den Fotos half ein kleines Stück Klebeband…. will man nicht machen sowas). Auch nach mehreren Spielen entspannte sich das Material nicht. Im Bezug, was ich dann zu das Spiel schreiben werde, tut mir diese Kritik schon fast weh. Schade, dass hier mehr auf die Optik als auf die Qualität geachtet wurde.

Toll finde ich allerdings die BegleitAPP. Ich bin kein Freund von APPS in Brettspielen, aber dieser 2-Minuten-Intervalltimer ist genau richtig. Im Trubel vergisst man zu leicht, die mitgelieferte Sanduhr umzudrehen… mit APP unmöglich zu übersehen. Danke dafür.
Sebastian Fitzek Safehouse

Regeln

Die Regeln sind solide, und jeder sollte das Spiel verstehen können. Ich hätte mir gewünscht, dass die Kommunikationsregeln in einen eigenen Paragrafen geschrieben worden wären. Denn diese habe ich beim ersten Spiel übersehen. Dann war das Spiel deutlich zu leicht. Sonst ist die Anleitung gelungen, da wichtige Keywords dick gedruckt wurden, nochmals eine gute Zusammenfassung gegeben wurde, wann sich der Verfolger bewegt und ein thematisch passender 2-D Barcode zum Runterladen der APP einlädt.

Sebastian Fitzek Safehouse

Empfehlung

Verdrängen wir meine harsche Kritik am Material des Spieles. Und ich vergesse meine Abneigung gegenüber hektischen Spielen. Sebastian Fitzek Safehouse ist ein kleiner Überraschungshit in unserer Spielrunde geworden. Es geht schnell, 30 Minuten und ist dabei sehr intensiv. Aber es ist nicht immer stressig, denn während die anderen Spieler dran sind, kann man sich schnell entspannen. Deshalb bevorzuge ich höhere Spieleranzahlen. Zu zweit ging es, aber richtig dolle fand ich es nicht. Da war mir die dauernde Anspannung zu stressig.

Das Spiel zu schlagen, klingt leichter, als es ist. Denn was wir Anfangs massiv unterschätzt haben, sind die Verfolgerkarten, die zwar im Nachziehstapel gut verteilt sein sollten, aber auch mal kurz aufeinanderfolgend gezogen werden können. Und es gibt Karten, die den Verfolger ein oder zwei Felder aufrücken lassen, aber genauso sind drei oder vier Felder möglich. Ganz schlimm erwischt es einen, wenn die Verfolgerkarte gezogen wird, die es ihm erlaubt so viele Schritte zu gehen, wie Kapitelkarten ausliegen + 1 und man gleichzeitig vier oder mehr Kapitelkarten offen liegen hat. Diese Karten war mehr als einmal das Aus für die Runde.

Es kommt ein richtiges Sich-Gehetzt-Fühlen-Gefühl auf, was vermutlich das Hauptziel des Spieldesigns gewesen sein dürfte. Kommunikation ist der Schlüssel zum Sieg. Wenn die ersten Runden in einer neuen Gruppe gespielt werden, ist es noch schwierig, dann aber, wie immer in dieser wortrestriktiven Art und Weise, bildet sich eine gemeinsame Sprache, immer am Rande des Regelbruchs. Aber so kommt man zusammen zum Ziel, und kann dann nach und nach den Schwierigkeitsgrad erhöhen. Ich persönlich mag nicht mehr ohne den Ermittlungsbereich spielen, da mir das Spiel sonst zu eindimensional ist und mich damit ein wenig an Cluedo erinnert 🙂 (Was durchaus ein positives Gefühl in mir weckt).

Spannend auf jeden Fall, was passiert, wenn sich die Bücherwelt mit einem fähigen Spieleentwickler zusammensetzt. Ich kann Safehouse nur empfehlen, und ich hoffe, dass sich der moses.Verlag beim nächsten Hit mehr Mühe beim Material gibt.

Sebastian Fitzek Safehouse

Credits

moses.Verlag
Autor: Marco Teubner
Illustrationen: Jörn Stollmann
2-4 Spieler
ab 12 Jahre
ca. 30 Minuten
Sebastian Fitzek Safehouse

Preis

ca. 30€ (Stand Januar 2018)

Ich bedanke mich beim moses.Verlag für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.