#142 Papa spricht über … Wikipedia spielt

      Kommentare deaktiviert für #142 Papa spricht über … Wikipedia spielt


Was passiert denn jetzt? Wikipedia spielt? Lasst es mich erklären.

Meine Frau hatte mal wieder vergessen, die Türe richtig zu verschließen und so konnte ich mich zu einem Spielewochenende nach Köln schleichen. Das örtliche Wikilokal, und die Brettspielgruppe Brettspielen.Köln hat zum Strategiespielwochenende eingeladen.

Anreise

Freitag war Anreisetag. Ich hatte den Kofferraum voller Spiele, was sich am Ende als ziemlich albern herausstellte, denn wir haben kaum etwas davon gespielt. Geschuldet der Länge der anderen Brocken, die wir auf den Tisch gebracht haben. Aber man mag ja Optionen.


Da ich gnadenlos zu früh angereist bin, habe ich beschlossen dem Brave New World in Köln einen Besuch abzustatten. Ich hatte dort schon die eine oder andere Bestellung online getätigt, also Zeit sich den Shop mal anzuschauen. Ich wurde den Tag über mit strahlend blauen Himmel und wunderbarem Wetter belohnt… also eine wunderbare Stunde Fußmarsch vom Wikilokal zum Dom.

Im BNW habe ich dann eine ganze Weile stöbern können, und eine Kleinigkeit mitgenommen. Macht man so, wenn man irgendwo stöbern geht. Allerdings muss ich auch sagen, dass das Lager wenig einladend war, und man doch sehr wühlen musste, um etwas zu entdecken. Die Spiele stapelten sich in engen Gängen bis unter die Decke, und da war echt alter Kram dabei, den vermutlich nie jemand kaufen wird. Allerdings war die GMT Abteilung äußerst beeindrucken. Das einzige Spiel, was ich direkt mitgenommen hätte, war nicht vorrätig. Schade, dass der Enge Raum auch noch zum Verpacken von Bestellungen genutzt wird, ich würde behaupten, hier beraubt sich der Shop einiger Verkaufsgelegenheiten. Ich hatte schlicht keine Lust Stühle, Tische und Kartons wegzuräumen.

Ziel des Events?

Das Event wurde von Wikipedia spielt veranstaltet. Dazu wurden nicht nur die Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt, was schon sehr genial ist. Nein ich und andere mit weiterer Anreise wurden sogar in der Nähe in einer Ferienwohnung kostenfrei untergebracht. Das ermöglichte fast Non-Stop-Gaming. Wenn da nicht der eigene schwache Körper gewesen wäre, der irgendwann nach Schlaf gebrüllt hat. Dafür jedenfalls ein großes DANKE. Ziel der Veranstaltung war, Synergien mit der Brettspielszene zu nutzen, um weitere Artikel zu Brettspielen in der Wikipedia entstehen zu lassen. Und der ein oder andere ist inzwischen unterwegs. Für uns Teilnehmer ist natürlich auch ein Ziel gewesen, laaaaaaange Spiele, für die sonst keine Zeit ist, endlich auf den Tisch zu bekommen.
Ich hingegen möchte hier mal ein bisschen Aufmerksamkeit auf die Tolle Gruppe in Köln lenken.

Freitagabend

Wieder mit von der Partie waren Markus und sein Bruder Heiko, die ich letztes Jahr in Essen schon kennenlernen durfte. Während sich Heiko direkt in ein episches Spiel Here i Stand von GMT geworfen hat, sind wir es ruhiger angegangen.
Fast schon obligatorisch war die Runde Haspelknecht, ein Spiel für das Markus wohl mehr Pate steht, als jeder andere Brettspielblogger da draußen. Er liebt es, und hat mich damit infiziert.

Mich fasziniert das Thema, ich liebe die grafische Gestaltung und die Mechanismen und Wege die man gehen kann, sind großartig. Mein erklärtes Ziel war es, Markus diesmal zu schlagen, was mir… Achtung Spoiler… auch gelungen ist. Und jetzt kommt die Tatsache, die Jungs aus dem Pott eher weniger gerne Hören… mit Holzkohle, im Wald produziert, vom Köhler. So kenne ich als Schwabe die Kohlenproduktion. Und kaum habe ich diese Errungenschaft erspäht, war meine taktische Ausrichtung klar. Am Ende reichte es für einen knappen Sieg, gegen einen Mitspieler der seinen Schacht sauber ausgeputzt hat. Wir warten nun auf das nächste Match, und dann mit der Erweiterung.

Im Anschluss gab es noch eine schnelle Runde Mini Rails. Manche bezeichnen es als 18XX in 30 Minuten, aber ich würde behaupten, das geht deutlich zu weit. Es ist simpel, aber dennoch komplex in jeder Entscheidung, die getroffen werden muss. Wieder sah ich nach den Regeleinweisungen Fragezeichen über den Köpfen, wie und was man genau tun soll. Ein Effekt, der IMMER auftritt. Doch wie immer löst sich das in den ersten beiden Spielzügen auf. Viel gibt es ja nicht zu verstehen. Ich allerdings, habe nach vielen Spielen immer noch nicht raus, wie man das Spiel tatsächlich gewinnt. Ich liebe dieses kleine geniale Spiel trotzdem.

Weiter ging die lockere Runde mit dem Krieg der Knöpfe, einem persönlichen Anliegen von mir. Ich hatte es bereits zu zweit gespielt, und war diesbezüglich etwas enttäuscht, da mir die Interaktion fehlte. Diesmal ein Versuch zu viert. Und es wurde besser. Ein Mitspieler machte es sich zum Ziel mehr Knöpfe als ich, dem Knopf-Papa zu haben. Dadurch wurde der Knopfvorrat aufgebraucht, und das Spiel lief stark in Richtung Knopfmonopoly. Nach dem Spiel war ich dann beruhigt, da es wirklich sehr gut zusammenpasste und ein gutes Würfeleinsetzspiel ist. Glück spielt keine zu große Rolle, was wohl auch zum positiven Urteil beigetragen hat.

Wir ließen den Abend ruhig mit Gesprächen ausklingen und sammelten Kräfte für den Samstag, der uns auslaugen werden wird.

Samstag, oder wie man nur vier Spiele in 17 Stunden spielt.

Nach einem schnellen Frühstück kam zu allererst was kurzes, eine richtige Perle unter den Brettspielen, auf den Tisch: Bus von Splotter. Es ist ein Design aus dem Jahre 1999 und eines der ersten Workerplacement Spiele. Es sieht ein bisschen aus, wie ein Kinderspiel, ist es aber nicht…, gar nicht… eigentlich genau das Gegenteil. Ich bin sicher, dreht man sich um, bekommt der Bus auf dem Titelbild Reißzähne, und droht den Spieler anzufallen. Es geht darum eine Strecke durch eine Stadt zu bilden, die Stadt nebenbei noch aufzubauen und Passagiere zu transportieren. Dazu hat jeder Spieler 20 Aktionen, die er ausgaben kann, wie und wann er möchte. Die Aktionen müssen von den Spielern geplant werden, bevor sie ausgeführt werden. Das kann dazu führen, dass Aktionswürfel umsonst ausgegeben werden, und man somit eine der wichtigen Aktionen verschwendet. Zudem ist es ein leichtes, den Gegner zu sabotieren. Splotter eben…. nett können die nicht in ihren Spielen 🙂 Ich bin ein riesen Fan von diesem Spiel geworden, und es wird meine Sammlung wohl nie wieder verlassen.

Wenn man es auf dem Foto erkennen kann: wer erkennt Spielreferenzen in der Grafik des Spielbrettes?

Wenn wir schon mal bei Splotter sind, wieso nicht weitermachen, wo man aufgehört hat. Indonesia. In diesem Spiel gründet man Reis oder Gewürzunternehmen, später auch Kautschuk und Öl, expandiert und handelt mit Städten um… Überraschung… Geld zu verdienen. Es ist auch möglich ein Transportunternehmen zu gründen, und sich von den Fabrikanten für den Transport bezahlen zu lassen. All das wäre noch ein sehr simples Spiel, fast schon langweilig. Aber hier kommt der Splotter-Anteil. Jeder, der möchte, kann Unternehmen zusammenführen. Selbst wenn es nicht seine Unternehmen sind. Und dann wird darum geboten. Geld ist nicht offen sichtbar, und somit kann man nie sicher sein, ob sein Unternehmen vor einem Zusammenschluss sicher ist. Nach ca. 6 Stunden stand dann der Sieger fest. Ich war es nicht, hatte aber eine großartige Zeit, und es fühlte sich lang nicht so lange an. Großes Spiel in viel zu kleiner Schachtel… definitiv ein Evergreen.

Auf dem folgenden Bild sieht man die Spielsituation am Ende des Spieles… da hat keiner Spielmaterial einfach ausgeleert.

Danach kurz beim Libanesen um die Ecke ein sehr leckeres Lammgericht gegessen und jetzt wurde es wahrlich episch. Ein Spiel, was ich schon lange auf dem Schirm hatte, an dessen Regeln ich schon einmal gescheitert bin, und ich eine Scheiß-Angst hatte. Wir haben es getan und Bios:Genesis gespielt. Heiko hatte es sich beigebracht (der kennt keine Gnade) und es uns mit Engelsgeduld vermittelt. Die ersten Runden… so die ersten 2 Stunden… liefen etwas holprig bei allen. Danach lief das Spiel… naja fast bei allen… ich musste aufgrund der Gegebenheiten teilweise 50 Minuten Downtime in Kauf nehmen, während meine Mitspieler Darwinwürfe absolvierten und sich gegenseitig mit Parasiten infizierten und ihre Lebensformen mutierten. Ich musste mir mit dem Spielmaterial etwas aushelfen.

Und zum Glück hatte die Wikipedia noch was für die Seele:

Für mich war es eine Erfahrung, und dank der netten Gesellschaft, war auch die Zeit des Nichtstuns nicht schlimm. Ich habe meine Mitspieler beobachtet und mich über die erste Schnecke gefreut, die an Land gekrochen ist. Es war intensiv, und nach 6 Stunden kam das Spiel zu einem Ende… Bios:Genensis zeigte deutlich, wie groß der Zufall ist, dass es Leben auf der Erde gibt. Denn jedes Leben, was ich erschuf, wurde von der Natur sofort wieder zu Nichte gemacht… Dice hate me. Objektiv betrachtet, hatte mir das Spiel einen zu hohen Glücksanteil. Aus realistischer Simulationssicht musste es wohl so sein. Wir waren uns auch einig: zu viert sollte man es nicht spielen, da nicht genug Lebenräume für vier Spieler gibt.

Vernünftige Menschen wären nun ins Bett gegangen, aber nicht wir. Ich habe die letzten Wochen oft Lisboa gespielt, und hatte die Regeln parat. Also mussten sie aus raus. Also mal eben um 1 Uhr Nachts das Spiel aufgebaut, das Spiel erklärt und ein paar Runden gespielt. Nach einer Stunde war allerdings Schicht, denn der Sonntag hielt noch ein großes Finale für uns bereit.

Tschoo Tschoo Sonntag

Es ist endlich passiert. Ein halbes Jahr sitzt das Spiel hier neben mir im Regal. Der Einfluss von Heavy Cardboard und das ständige locken mit 18XX Titeln nagte an mir. Es kam 1830 auf den Tisch. Und WOW ist dieses Spiel genial. Es trifft zu 100% meinen Geschmack. Ich bin endgültig verloren, und sehne mich schon nach der nächsten Runde. In 1830 kaufen die Spieler zuerst Aktienanteile mehrerer Eisenbahnunternehmen. Ab einem gewissen Punkt werden die Unternehmen aktiv und es werden Strecken gebaut, Züge gekauft Aktienkurse nach oben getrieben und zum Absturz gebracht.

Es werden Dividenden Ausgeschüttet, in bessere Züge investiert und Bahnhöfe gebaut, um gegnerische Unternehmen auszubremsen. Eine Wirtschaftssimulation par excellance. Es gibt nicht viele Regeln, und das Spiel spielt sich wirklich flüssig. Leider mussten wir das Spiel nach 6 Stunden abbrechen, da jeder von uns noch eine Heimfahrt vor sich hatte. Meine war dann 4 Stunden lang und aufgrund des wenigen Schlafes sehr anstrengend… man wird nicht jünger. Die Lektion, die wir gelernt haben… NIE WIEDER MIT PAPIERGELD. Das alleine wird uns sicher 1-2 Stunden gekostet haben, da das Geld ständig den Besitzer wechselt, und man permanent am Scheine abzählen und umwechseln ist. Und man verwaltet ja nicht nur sein Geld, sondern auch das Geld von einem oder mehrerer Unternehmen, in denen man die Präsidentenrolle inne hat. Pokerchips und eventuell ein Excel Sheet, wird uns die Verwaltung beim nächsten Mal vereinfachen.

Ich bin ab sofort offiziell süchtig nach diesem Spiel. Und auch Tage nach dem Spiel beschäftigt es mich: was hätte ich besser machen können, welche Taktiken kann man anwenden… und und und.

Danke

Danke für die Gastfreundschaft an die Kölner. Mehr bleibt wirklich nicht zu sagen. Es gab tolle Spiele, es gab tolle Gespräche und tolles Essen. Das Wetter war suboptimal (sonnig und warm) aber ein Brettspieler muss tun, was er tun muss. Wunderbar waren auch die anderen Spielrunden um einen herum, die wir nur am Rande wahrgenommen haben. Witzig waren Kommentare wie: Immer noch am selben Spiel? Da ändert sich ja gar nix. Großartig. Gespielt wurde vieles: Krieg der Knöpfe mehrfach, Altiplano, Relic, Descent, Cytosis, die Quacksalber von Quedlinburg, San Juan und und und….

Ich hoffe, es wir eine Wiederholung geben.