#143 Sandrina spielt … Reworld

      Kommentare deaktiviert für #143 Sandrina spielt … Reworld


Als nur gelegentliche Star-Wars-Guckerin, etwas weniger gelegentliche bis eigentlich gar keine Star-Trek-Guckerin (auf deutsch gesagt: Das Thema Sci-Fi liegt mir nur bedingt), haben mich die Themen Sci-Fi / Weltall und alles was damit zusammenhängt, im Spielebereich dann doch verfolgt. So habe ich mich vor ein paar Monaten endlich an Terraforming Mars gewagt, was dann wider Erwarten zu meinem derzeitigen Lieblingsspiel mutiert ist. Und ich habe superspontan bei der 14-tägigen Spielerunde im Nachbarort Battlestar Galactica mitspielen dürfen, welches nach anfänglicher Skepsis auch megaviel Spaß gebracht hat. Und nun: Reworld. Gucke da, was kommt.

Und um was geht es hier? Sternenkriege? Besiedlung? Entdeckung neuer Planeten?
„Endlich! ExoFox 5 hat den Planeten Eurybia analysiert und bestätigt, dass er derzeit der einzig brauchbare Kandidat für Projekt Reworld ist. Leider können wir nicht länger warten. Uns läuft die Zeit davon. Admiral, Ihre Aufgabe ist es, Eurybia bestmöglich vorzubereiten, damit die Bevölkerungsflotte bei ihrem Eintreffen einen bewohnbaren Planeten vorfindet. Wir planen den Aufbau mehrerer Städte in unterschiedlichen Klimazonen sowie ein planetenumspannendes Verteidigungsnetz.“
Also: Es geht um die Besiedlung eines Fantasieplaneten.

Was macht man, bevor man den Planeten besiedelt? Richtig, man fährt nicht einfach drauf los, man plant und packt.

Praktisch ist das in Reworld so, dass das Spiel in zwei Kapitel eingeteilt ist.
In Kapitel Eins geht es also um die Planung und Vorbereitung. Diese erstreckt sich über fünf Runden. Zu Anfang jeder Runde werden Module in der Form von Plättchen an die Raumstation angelegt. Diese gilt es sodann mit den Offizierskarten zu erwerben, von denen jeder Spieler einen Satz auf der Hand hält. Hier ist große Planung und vorausschauendes Denken gefragt, denn je nachdem, welche Zahl die Offizierskarte anzeigt, an den jeweiligen Port seines Raumschiffes hat man das Modul dann auch zu legen. Und nicht nur das, der Mitspieler, der ein benachbartes Modul aufnehmen möchte, muss die selbe Zahl legen oder eben eine Kombination aus mehreren Karten. Reihum geht das, bis die Spieler keine Karten mehr legen können. Dann werden die übrig gebliebenen Modulplättchen abgeräumt, neue hingelegt, jeder bekommt einen neuen Satz Karten und weiter geht es.

Und was bringen die einem, die Module? Es gibt Terrabots, Bautrupps und Shuttles; die Terrabots sind zum Aufbau der einzelnen Städte da (dargestellt durch verschiedene Buchstaben), die Bautrupps bringen Firmen-/Agrarfirmen in die Städte. Und da letztere nicht selbstständig fliegen können, brauchen sie die Hilfe von Shuttles, ein Shuttle kann bis zu zwei Bautrupps tragen, wenn sie vorteilhaft an dein Raumschiff angekoppelt sind. Oder falls du dein Shuttle nicht zwingend zum Transport brauchst, kannst du sie auch zum Ausbau deines Verteidigungsnetzes benutzen.

Nach den fünf Runden geht es also weiter mit Kapitel Zwei: Der Besiedlung. Dieses Kapitel ist wesentlich schneller abgearbeitet als das erste. Hier koppeln die Spieler ihre Module ab, um sie zur Besiedlung zu nutzen, sprich, jeder Spieler nimmt abwechselnd eines seiner außen liegenden Module und nutzt es, um eben seine Städte aufzubauen, die Firmen anzusiedeln, das Verteidigungsnetz auszubauen.

Am Ende des Spiels gibt es abhängig von der Spieleranzahl Punkte für u.a. die größten (längsten) Städte, das beste Verteidigungsnetz, und die Bevölkerungsschiffe, die zusätzlich auf dem Spielplan ausliegen und die jeweils verschiedene Aufgaben anzeigen, die es zu erfüllen gilt.

Das Spiel ist zu Ende, wenn jeder Spieler sämtliche Modulplättchen seines Raumschiffes abgekoppelt und zum Aufbau und Besiedlung benutzt hat. Wer dann die meisten Punkte hat, hat gewonnen.

Fazit zu Reworld:

Material/Komponenten

Das Material ist sehr wertig, die Plättchen sind aus dicker Pappe und können definitv was ab. Was anderes bin ich von Pegasus aber auch nicht gewohnt. Die Karten sind sehr klein, was aber nur logisch ist, da man sie sonst schlecht auf den Spielplan legen kann (ein größerer Spielplan wäre Blödsinn, der ist definitiv groß genug). Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass diese schnell abgegriffen sind, da ich mir einbilde, dass man das jetzt nach einer handvoll Partien schon sieht.

Die Illustrationen auf Spielplan und Karten sind von Michael Menzel. Dessen Arbeit mag ich. Das hätte ich aber nicht sofort erkannt. Ja, es ist ein Weltraumthema, und ja, das Layout ist dann in einem Ton gehalten (schwarz wie das Weltall…) und eher nüchtern. Aber es ist halt so… Es ist nicht hässlich, aber die detailierteren, bunteren Sachen mag ich halt lieber.

Der Startspielermarker ist der Kapitän der Raumstation. Zusammengesteckt aus zwei stabilen Pappteilen. Entspannter Typ, der Herr Kapitän.
Das Schachtelinlay ist praktisch nicht vorhanden. Zip-Tütchen lassen grüßen. Ich hasse es. Aber es ist auch nicht so wahnsinnig viel Material, als das mans nicht überleben würde. Und es ist ein großer Stoffsack vorhanden (man muss die Modulplättchen ja zu Beginn jeder Runde in Kapitel Eins neu ziehen), den man auch noch zur Unterbringung von Material nutzen kann.

Regelheft

Das zwölfseitige Regelheft ist reich bebildert.
Unterteilt in Kurzübersicht über das Spiel und dann detailiertere Regelerklärung, aufgegliedert in die Kapitel Eins und Zwei. Überall sind Beispiele dabei, Zeichungen dabei. Auf der letzten Seite findet man noch eine Übersicht über die verschiedenen Arten und Bevölkerungsschiffe.

Wenn mal etwas unklar ist, findet man sich schnell zurecht. Ich habe an der Anleitung absolut nichts zu meckern.

Empfehlung

Ich weiß nicht genau, ob ich Reworld als Kennerspiel oder doch eher gehobeneres Familienspiel einordnen würde. Die Aktionen sind simpel. Man muss halt echt überlegen, welche Modulplättchen man nimmt und in welche Reihe man sie anlegt. Die ganzen Bautrupps ganz außen in der Reihe bringen gar nichts, wenn kein Shuttle in der Nähe ist, der sie transportieren kann.

Das erste Spiel läuft also so, dass man erstmal anlegt und dann guckt was passiert. In Kapitel Zwei merkt man dann mitunter, dass man sich ganz schön verkalkuliert hat. Das Spiel spielt sich also erst richtig ab der zweiten Partie, wenn einem das Ausmaß seiner Aktionen richtig bewusst wird.

Für Vielspieler wird es zu simpel und wenig abwechslungsreich sein. Alle anderen müssen sich überlegen, ob sie das wollen, dieses ständige Ausrechnen und Vorausschauen, ob das jetzt sinnvoll ist, was man da tut.

Ich mag Reworld ganz gerne, aber es ist jetzt auch nicht weltbewegend und nicht erste Wahl, wenn es darum geht, was man am Abend spielen möchte. Man darf nicht zu viel erwarten, als Einstieg in ein Sci-Fi-Thema (für Spieleanfänger etwa…) ist es aber auch nicht schlecht.

Der Spielaufbau ist eben auch schnell geschehen. Da lädt Reworld dann doch zu der ein oder anderen Partie mehr ein. Denn nach einem langen Tag mag ich ganz gerne was spielen, aber nicht unbedingt immer ewig was aufbauen. Lediglich das Plättchen nachziehen und auffüllen vor jeder Runde nervt etwas. Gibt aber schlimmeres.

Credits

Eggertspiele / Pegasus Spiele
Autor: Wolfgang Kramer und Michael Kiesling
Illustration: Michael Menzel
2-4 Spieler
ab 12 Jahren
ca. 50-90 Minuten

Preis

ca. 40,00€ (Stand Mai 2018)

Ich bedanke mich bei Pegasus Spiele für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars.