#37 Papa spielt … Viticulture Essential Edition

Viticulture

Wir leben in einer Weinanbauregion, meine Familie in Italien baute Wein an, wir trinken gerne guten Wein und wir mögen Workerplacement Spiele (deutsch: Arbeitereinsetzspiele…grrruseliges Wort). Somit fällt Viticulture genau in unser Beuteschema.

Bevor es die deutsche Essential Edition von Viticulture gab, war das Spiel eine Erscheinung auf der Kickstarter-Plattform. Von mir leider erst viel zu spät entdeckt, und somit nur sehr schwer und sehr kostspielig zu bekommen. Seitdem hört und liest man aus den USA und deutschen Brettspiel-Plattformen, viel Positives über das Spiel. Also haben wir uns sehr über die Nachricht gefreut, dass Feuerland Spiele Viticulture als Essential Edition herausbringt. Die Essential Edition setzt sich aus dem Basisspiel und einem kleinen Teil der Tuscany Erweiterung zusammen. An der Zusammensetzung dieser Edition war Uwe Rosenberg beteiligt.

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In Viticulture Essential Edition muss, bevor es losgeht, erstmal etwas Familienkunde betrieben werden. Jeder Spieler bekommt je eine Mutter und einen Vater zugewiesen; diese Karten bestimmen das Startvermögen und ob schon irgendwelche Karten, bzw Bauten zu Spielbeginn verfügbar sind. Das sorgt für einen asynchronen Start, und die dadurch gespielte Strategie wird sich wohl jedes Spiel unterscheiden. Danach müssen die Spieler entscheiden, in welcher Reihenfolge sie diese Runde spielen wollen. Entweder wählt der Startspieler einen frühen Zeitpunkt, und damit keinen guten Bonus für diese Runde, oder sie wählen einen Zeitpunkt sehr spät, bekommen dafür aber einen tollen Bonus, wie z.B. einen extra Arbeiter für das Spieljahr. Jede Runde startet also schon mit einer gewichtigen Entscheidung. Danach setzen die Spieler ihre Arbeiter auf die Sommerfelder; pflanzen Reben, bauen Gebäude, empfangen Sommergäste oder führen Besuchergruppen durch die Weinkeller. Dabei muss wieder entschieden werden, ob und wie viele Arbeiter man sich für den Winter aufhebt, denn jeder Arbeiter kann nur einmal pro Jahr eingesetzt werden. Im Winter kann man Wintergäste empfangen, Trauben ernten, Wein keltern, neue Arbeiter anheuern und Weinbestellungen erfüllen.

Die verschiedenen Einsatzfelder haben, abhängig von der Spieleranzahl, ein bis drei Felder, die besetzt werden können; wer zuerst kommt… naja und so weiter. Ab drei Spielern haben die Fehler auch auch ein Bonusfeld, das genutzt werden kann, wenn man sich früh für eine Aktion entscheidet, und auch die zugehörige Hauptaktion nutzen kann. Wenn alle Einsatzfelder besetzt sind, ist diese Aktion für die restlichen Mitspieler nicht mehr verfügbar. Die einzige Ausnahme bietet hier der große Arbeiter, den jeder Spieler besitzt. Dieser darf auch ein schon besetztes Feld in Anspruch nehmen.
Am Ende eines jeden Jahres altern Trauben und Weine und steigern somit ihren Wert.

Die Spieler sammeln so Punkte aus Weinverkäufen, Sonderaktionen auf den vielen verschiedenen Besucherkarten und Spezial-Aktionen durch Bauten auf ihrem einen Weingut-Tableau.

Der erste Spieler, der die 20 Punkte erreicht, beendet das Spiel. Gewonnen hat der Spieler mit den meisten Punkten.

Varianten:

Solo Variante

Viticulture Essential Edition kommt mit einer Solo-Variante. In dieser Variante wird ein Gegenspieler durch einen separaten Kartenstapel simuliert (Automa Kartendeck). Das Ziel ist es nun, möglichst gut gegen diesen Spieler abzuschneiden. Nach sieben Spieljahren, endet das Spiel dann automatisch.
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Fazit zu Viticulture Essential Edition:

Material/Komponenten

Das Material in Viticulture Essential Edition ist großartig. Jedes Gebäude hat ein speziell für dieses Spiel hergestelltes Holzfigürchen. Standardfiguren sucht man vergebens. Das Spiel kommt mit sechs super schönen Farben, die auch von der Standard-Farbpalette abweichen. Das Spielbrett ist, genau wie die Spielerboards, beidseitig bedruckt, wobei eine Seite den englischen Text, die Andere den deutschen Text zeigt.
Ein besonderes Highlight sind die Glassteine, die man als Marker auf die Trauben- und Weinzähler seines Spielertableaus setzt. Diese Glasmarker vergrößern die Zahlen und haben bisher jeden Mitspieler begeistert. Die Karten sind wie das gesamte Spiel, wunderschön und individuell illustriert, und aus einem sehr beständigem Material. Einzig das Format ist mit persönlich etwas zu klein, aber da man die Karten selten ausspielt, oder mischen muss, geht das schon in Ordnung.
Zuletzt findet man in der Box noch eine Menge Papp-Geldmünzen. Diese sind groß und lassen sich hervorragend umherreichen. Ich hasse es, wenn Papp-Marker zu klein, und damit zu fummelig sind. Danke.

Aber das Erste, was man in die Hand bekommt, ist die sehr stabile Box für das Spiel. Diese fasst sich toll an, und wird sicher keinen Schaden davon tragen, wenn man ein paar andere Spiele darauf stapelt. Ein sehr schönes Gesamtpaket.

Ein winziger Kritikpunkt: die Spielerboards wölben sich Anfangs ein wenig, wenn sie eine Weile aus der Box genommen wurden. Dieses Verhalten wird aber nach und nach weniger und entspannt sich zwischen den Spielen immer wieder. Ich vermute, das liegt an der Luftfeuchtigkeit, die inzwischen bei uns in der Rhein-Ebene wieder relativ hoch ist.

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Alter

Das Spiel ist ab 12 Jahren. Und damit steht es auf einer Stufe mit, z.B. Caverna. Ich verstehe diese Entscheidung nicht, aber vielleicht irre ich mich, denn ich habe es noch nicht mit Kindern gespielt. Aber verglichen mit Stone Age von Hans im Glück, welches ab 10 Jahren ist, sehe ich nicht, wo hier der Unterschied an Komplexität sein sollte. Aber vermutlich ist diese Angabe eher auf Sicherheit gesetzt worden. Lasst Euch also nicht abhalten, das Spiel auch als Familienspiel mit Euren Kindern zu versuchen.
Wir in der Pfalz wachsen mit Weinbau auf, also sollte das Thema auch für Kids kein Tabuthema sein.

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Regelheft

Es wäre tragisch, wenn alles so perfekt anmutet, und dann das Regelheft so schlecht geschrieben ist, dass das Spiel nicht spielbar ist. Aber alles richtig gemacht. Das Regelheft ist sehr ausführlich, gut strukturiert und mit vielen Illustrationen ausgestattet. Am Ende ein toller Glossar und Anmerkungen zu den verschiedenen Besucherkarten. Bisher hatten wir keine einzige Regelunklarheit. Und für den schnellen Wiedereinstieg kommt das Spiel mit einer ausführlichen Kurzreferenz. Zusammen mit dem Regelheft ist es fast unmöglich eine Regel zu übersehen, oder falsch zu interpretieren.

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Empfehlung

Ich habe es oben ja schon ein wenig vorweg genommen. Dieses Spiel liegt 100% auf meiner Wellenlänge. Das Thema, die Mechanismen und die Optik sind für mich schon fast Grund genug, das Spiel zu lieben. Aber Viticulture Essential Edition bietet weitaus mehr.
Das Spiel ist sehr schnell neuen Spielern erklärt, was für mich extrem wichtig ist, denn meine Mitspieler wechseln sehr oft. Die Spieldauer war jetzt nie besonders lang, und speziell im 2-Personen-Spiel liegen wir inzwischen unter einer Stunde pro Spiel, was dazu führt, dass wir das Spiel recht häufig spielen. Wenn Abends aufgeräumt und der Knopf im Bett liegt, tauchen wir in das Winzerleben ab. Wäre hier noch ein langer Aufbau und eine Spielzeit weit über 60 Minuten, würde vermutlich die Lust und die Energie fehlen.

Ein Punkt, den viele vielleicht kritisieren, ich aber schätze ist der Glücksanteil im Spiel. So kann auch ein Mitspieler gewinnen, der das Spiel nicht schon zehn Mal gespielt hat. Es gibt schon einige Varianten und Vorschläge das Kartenpech bei den Weinsorten zu minimieren, aber ich finde, das gehört einfach auch mal dazu. Zumal man ohne viele Weinbestellungen zu erfüllen, das Spiel gewinnen kann.
Das muss sowieso hervor gehoben werden, es gibt viele Wege zum Sieg, und bisher waren diese fast immer unterschiedlich. Der Wiederspielwert, besonders durch die Besucherkarten und die unterschiedlichen Startbedingungen, ist sehr hoch.

Wer jetzt allerdings ein wirklich tiefgehendes Strategiespiel erwartet, den muss ich enttäuschen. Das Spiel bewegt sich im Mittelfeld, und kann gerne mal aus dem Bauch heraus gespielt werden, ohne sofort bei der ersten Fehlentscheinug. das gesamte Spiel verloren zu haben.

Also eine absolute Empfehlung, die auf das Thema stehen, und ein sich locker und flott spielendes Spiel suchen. Das Spiel ist thematisch als auch mechanisch familientauglich und hat noch ein unverbrauchtes frisches Thema. Vom Preis sollte man sich nicht abschrecken lassen, denn man bekommt wirklich eine Menge tolles Spielmaterial und ein gutes Spiel für sein Geld. Volle Punktzahl von uns.

Viticulture

Viticulture

Schachtelinhalt

154 Spielkarten
78 große Spielkarten (verkaufte Gebiete)
36 Mama und Papa Karten
24 Automa Karten (Solospiel)
1 Spielplan
6 Weingut Tableaus
103 Holzfiguren
72 Geldmarken
50 Glasmarker
1 Spielanleitung
1 Kurzübersicht
Viticulture

Credits

Feuerland Spiele
Author: Jamey Stegmaier und Alan Stone
Solo-Variante: Morten Monrad Petersen
Illustratoren: Christine Santana
1-6 Spieler
ab 12 Jahren
ca. 60-90 Minuten

Preis

ca. 50€ (Stand Mai 2016)

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