#58 Papa spricht über … Pandemic Legacy

Pandemic Legacy

Vielleicht habt ihr vor ein paar Wochen die Verleihung zum Spiel des Jahres 2016 mitbekommen, und eventuell wisst Ihr auch, dass es einen Kennerspielpreis gibt, den Isle of Skye gewonnen hat. Ein Kennerspiel liegt in der Komplexität etwas über dem Familienspielpreis „Spiel des Jahres“. Ich möchte in diesem Artikel über einen der Nominierten, Pandemic Legacy, schreiben, und warum es unter Vielspielern so hoch angesehen ist. Gut 11.000 Spieler haben das Spiel auf www.boardgamegeek.com bewertet, und es somit auf Platz 1 der Rangliste dort gewählt. Aber muss man ein Vielspieler sein, um an dem Spiel seinen Spaß zu haben? Oder ist es am Ende zu komplex für Familien? Das Alles möchte ich erläutern.

Die Bilder in dem Artikel zeigen die englische Ausgabe, aber es gibt auch eine deutsche Ausgabe, die genau so toll aussieht. Zusätzlich findet sich im Handel noch eine Ausgabe mit rotem Schachteldesign, die aber exakt den selben Inhalt enthält.

Ein letzter Hinweis, bevor es losgehen kann: Ich kenne das Spiel sehr gut, und werde das Spiel ein zweites Mal mit meiner Frau spielen. Ich werde in diesem Artikel keine Regeln und Gegenstände, oder Handlungen verraten, die im späteren Spieleverlauf auftauchen werden. Alle Bilder sind von einer unbespielten Kopie gemacht. Und alle Informationen aus diesem Artikel können aus dem Handbuch oder dem sichtbaren Schachtelinhalt entnommen werden.

Pandemic Legacy

Worauf basiert das Spiel?

Seit 2008 gibt es das sehr erfolgreiche Spiel Pandemie, ein kooperatives Brettspiel. Bis zu vier Spezialisten versuchen, die Welt vor vier sich rasch ausbreitenden Seuchen zu retten. Pandemie ist eines meiner absoluten Lieblingsspiele, da es thematisch und mechanisch clever gestaltet ist. Zudem wird es kooperativ gespielt, und somit entstehen tolle Gespräche und Diskussionen am Tisch.

Pandemic Legacy
Jeder Spieler hat eigene Spezialfähigkeiten und das Spiel hat etwas Unberechenbares, was es eben so spannend macht. Man hat tolle Momente und Glücksgefühle und im nächsten Moment wendet sich das Blatt komplett, und die Welt steht wieder am Abgrund.

Legacy? Kann man das essen?

Unter einem Legacy-Spiel versteht man ein Spiel, was sich im Laufe der Zeit und den Spielrunden verändern wird. Wer das Regelheft aufschlägt, wird die vielen leeren Stellen und Beschriftungen sehen. Diese sind für Aufkleber ausgespart, die nach und nach das Regelwerk ergänzen werden.
Pandemic Legacy

Damit endet das Legacy-Prinzip nicht. Jedes Spiel wird seine Spuren hinterlassen und folgende Spiele beeinflussen. Jede getroffene Entscheidung ist final, und muss gut überlegt sein. Städte werden sich verändern, Ziele werden sich verändern, und Charaktere können sich verbessern, aus dem Spiel ausscheiden oder verletzt werden.
Pandemic Legacy

Wie spielt man nun Pandemic Legacy?

Pandemic Legacy
Die Spieler spielen das Spiel über einen Zeitraum von einem Jahr, wobei jeder Monat einer Partie entspricht. Sollte eine Partie verloren gehen, dürfen die Spieler diesen Monat noch ein weiteres Mal versuchen. Danach geht es aber unweigerlich in den nächsten Monat. Somit spielen die Spieler mindestens 12 maximal aber 24 Runden Pandemic Legacy. Die Monate und die Spiele werden von dem Legacy-Kartenstapel mit dem großen roten Stopzeichen geführt. Diese Karten müssen gründlich gelesen und befolgt werden, und dürfen niemals in ihrere Reihenfolge geändert werden. Es darf auch nicht gespickt werden, was als nächstes passiert. Damit würde man sich den meisten Spielspaß ruinieren. Die Karten sind nummeriert, und können von einer Person, die nicht am Spiel teilnimmt, im schlimmsten Fall wieder sortiert werden.
Pandemic Legacy
Jeden Monat werden die Spieler ihre Aufgaben aus diesem Kartendeck bekommen, und eventuell spezielle Regeln für die kommende Runde werden dort erklärt. Im Januar wird man zuerst eine „normale“ Partie Pandemie spielen, bis sich gegebenenfalls die Regeln ändern, und das Spiel es den Spielern mitteilt.
Während des Spiels kann es passieren, dass man aufgefordert wird, eine der geheimnisvollen Boxen zu öffnen. Oder einen Aufkleber aus den Top-Secret Ordnern zu nehmen. Das ist fast wie Weihnachten, oder die Zeit davor, in der ein Adventskalender geöffnet wird.

Die Spieler reisen nun über die Welt, behandeln die Seuchen, und versuchen ein Gegenmittel zu finden. Hierbei sind das richtige Timing und gutes Teamwork und etwas Glück der Schlüssel zum Erfolg.
Pandemic Legacy
Am Ende einer Runde dürfen IMMER zwei Upgrades/Verbesserungen für die Spielerrollen, oder permamente Änderungen auf dem Spielbrett ausgesucht werden, um sich einen Vorteil für die nächsten Runden zu verschaffen.
Pandemic Legacy

Für wen ist das Spiel geeignet

Wer auch immer beginnt, Pandemic Legacy zu spielen, sollte sich vorab im Klaren sein, man erlebt hier eine Geschichte, und möchte nach einem Spiel sicher gerne wissen, wie es weiter geht. Deshalb sollten die Spieler bereit sein, sich öfter zu treffen, und das Spiel zusammen in der gleichen Gruppen-Konstellation zu spielen. Immerhin hat man vielleicht eine Bindung zu seinem Charakter aufgebaut, und miterlebt, was dieser erlebt hat. Man darf sich das Spiel wie eine TV-Serie vorstellen, die sich immer weiterentwickeln wird, und den ein oder anderen Cliffhanger haben wird.

Das Spiel eignet sich als Pärchenspiel genauso, wie in Vollbesetzung mit 4 Spielern. Da das Spiel kooperativ ist, werden wir das Spiel zu zweit, aber mit 3 Rollen spielen, einer Rolle extra, die wir beide gemeinsam steuern werden.

Pandemie würde ich als eher mittelkomplexes Spiel beschreiben. Man hat sicher eine gewisse Eingewöhnungszeit, sich an die Kartenmechanismen im Spiel zu gewöhnen, aber ich habe das Grundspiel schon mit Kindern von 10 und 12 Jahren erfolgreich gespielt. Ein Spieler im Team sollte die Regeln im Kopf und verinnerlicht haben, um große Fehler zu verhindern. Aber wirkliche Stolperfallen gibt es nicht. Unerfahrene Spieler werden Anfangs wohl öfter verlieren, was aber nicht weiter schlimm ist. Man hat dadurch mehr Spielrunden und mehr staatliche Förderung im Spiel, um diesen Nachteil zu kompensieren. Und wenn ich ganz ehrlich bin, will man das Spiel gar nicht in minimaler Spielzeit beenden.
Pandemic Legacy
Spieler, die ihre Spiele gerne in absoluter Ordnung halten wollen, sollten von diesem Spiel Abstand nehmen. Denn es wird beklebt, beschriftet und zerrissen. Da schmerzt die Sammlerseele; ich hatte richtig Spaß daran, kenne aber genug Leute, die das nicht könnten, und am liebsten alles laminieren würden.

Sehr viel mehr kann und möchte ich nicht erzählen, um das Spielerlebnis für andere nicht zu ruinieren.

Empfehlung

Würde ich Pandemic Legacy empgehlen? Ja und wie. Das Spiel hat mich komplett umgehauen, und das obwohl ich schon viele Runden Pandemie im Grundspiel gespielt habe. Und das liegt nicht zuletzt daran, das ich ein absoluter Pandemie-Fan bin und das Spiel so oft spiele, wie immer möglich, auch als App auf dem Telefon.
Wer mit Pandemie noch nicht so vertraut ist, kann den Legacy-Mechanismus zuerst einmal ignorieren, und auf dem Spielbrett mit den Karten erst einige Runden Pandemie spielen, bis man sich an den Legacy-Stapel macht. Ich würde eine Runde empfehlen, um mit den speziellen Pandemie-Kartenmechanismen vertraut zu werden. Kenner von Pandemie können fast direkt loslegen, nur wenige Regeln unterscheiden sich vom Grundspiel.
Pandemic Legacy

Das Spiel erzählt eine tolle Geschichte, und man hat jederzeit das Gefühl mittendrin zu sein. Fast ständig müssen Entscheidungen getroffen werden, die oft die Wahl zwischen dem größerem und kleinerem Übel ist. Ich liebe es, wenn ein Spiel mich richtig durch die Mangel dreht. Dabei ist Pandemic Legacy aber nicht zu schwer, so dass ich es auch den sogenannten Familienspielern zutrauen würde. Mit dem Grundspiel hatte ich auch mit Wenigspielern schöne Spieleabende erlebt.

Eine Spielrunde läuft zwischen 40 und 60 Minuten, so dass man hier etwas Zeit einplanen muss, um das Spiel komplett durchzuspielen. Zwischen den Spielen wird wieder diskutiert und es werden Strategien besprochen.
Am Ende einer verlorenen Runde bekommt man von der Regierung etwas Unterstützung, sollte man jedoch erfolgreich sein, wird der Etat etwas gekürzt. Somit hat das Spiel eine tolle Balance, zwischen zu leicht und zu schwer.
Pandemic Legacy

Am Ende werden die Spieler ein Spielbrett haben, was vermutlich komplett anders aussieht, als bei anderen Spielern, die das Spiel gespielt haben. Ein Kritikpunkt, den man immer wieder liest und hört: Wieso sollte ich knapp 50€ ausgeben, für ein Spiel, welches ich am Ende nicht mehr spielen kann. Da kann ich entgegnen, dass Pandemic Legacy im Schnitt 18 Runden gespielt wird. Das sind locker 20 Stunden Spielspaß und auf der entstandenen Karte kann wiederum Pandemie mit den veränderten Eigenheiten der Welt gespielt werden. Das wird zwar nicht in den Regeln erwähnt, aber zum Wegwerfen ist das Endprodukt einfach zu schade. Zudem speichert diese Karte eine Menge Erinnerungen.

Pandemic Legacy
Der spannendste Teil des Spieles war, nicht zu wissen, welche Entscheidung, die man getroffen hat, sich später im Spiel rächen würde. Diesen Aspekt vermisse ich im regulären Pandemie inzwischen, und freue mich auf die zweite Season, die vermutlich 2017 auf den Markt kommen wird.

Wer auch immer sich auf dieses Abenteuer, und die Erfahrung damit einlassen kann, will ich das Spiel uneingeschränkt empfehlen. Es ist zwar nicht immer leicht, alle Leute im Spiel zu halten, und eventuell zu motivieren, weiter teilzunehmen. Doch es ist den Aufwand wirklich wert. Ich hoffe in den nächsten Jahren weitere dieser tollen Erfahrungen machen zu können.

Pandemic Legacy

Puhh, das war jetzt nicht leicht, denn einen großen Kritikpunkt habe ich noch. Wenn man es gespielt hat, und die Geschichten mit anderen Teilen möchte, kann man das nicht tun. Man würde ihnen die Überraschung nehmen, das Spiel beeinflussen und PandemicLegacy entwerten.
Mein Plan für die Zukunft: Ich möchte ein tagebuchähnlichen Artikel der Akteure in meinem nächsten Abenteuer bei Pandemic Legacy hier im Blog veröffentlichen. Wann und wie kommt darauf an, wie wir beide mit dem Spiel voran kommen. Diese Artikel werde ich deutlich vom Rest des Blogs trennen, damit keiner aus Versehen einen Spoiler abbekommt.

Over and out!

Credits

Z-Man Games
Authoren: Rob Daviau, Matt Leacock
Illustrationen: Chris Quilliams
2-4 Spieler
ab 13 Jahre
ca. 40-60 Minuten in 12-24 Spielen

Preis

ca. 50€ (Stand August 2016)

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