#60 Papa spielt … Kraftwagen

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Kraftwagen
Wer wie ich um Stuagart (für alle nicht Schwaben: Stuttgart) aufgewachsen ist, kennt die Automobilgeschichte natürlich. Daimler und Porsche sind die beliebtesten Arbeitgeber in der Region und wer was auf sich hält, schafft (arbeitet) beim Daimler.
Ich bin der Automobilindustrie nur knapp entkommen, dennoch ist das Interesse und Faszination groß.

In Kraftwagen werden Autos gebaut, Rennen gefahren, Motoren und Karosserien entwickelt, die Hilfe von historischen Größen wie Gottlieb Daimler oder Rudolf Diesel in Anspruch genommen und am Ende die Autos verkauft. Hier hat Matthias Cramer mal das volle Programm aufgefahren. Wer ihn und seine Kreationen verfolgt, weiß, dass immer etwas sehr Eigenes und Spannendes in seinen Spielen zu finden ist.
Einer der spannendsten Mechanismen von Kraftwagen liegt in der Auswahl der Aktionen. Hierbei bedient er sich eines Mechanismus, der so ähnlich, aber doch anders, auch schon in Glen More von Alea verwendet wurde.

Der Spieler, der am weitesten auf der Aktionsleiste zurück liegt, ist an der Reihe und kann eine der vor ihm liegenden zehn Aktionen wählen. Nimmt er eine einfache Aktion, oder eine wertvolle Doppel- oder Dreifachaktion? Je weiter er voran springt, desto öfter sind seine Mitspieler an der Reihe, bis sie ihn endlich wieder überholen.

Mit seinen Aktionen kann der Spieler neue Karosserien und Motoren bekommen, neue Arbeiter anwerben, den Fortschritt im Grand Prix erhöhen oder einen Kunden auf dem Markt definieren. Oder er nimmt einer der ausliegenden Forschungskarten, die die Automobilteile verbessern, oder Soforteffekte haben, oder einem Spieler einen berühmten Ingenieur zur Seite stellen. Hat er seine Aktionen durchgeführt, darf er noch einen Wagen aus einer seiner drei Werkshallen auf dem Markt platzieren. Hierbei muss er noch entscheiden, wie viele Servicearbeiter er dazu gibt, und wie hoch der Preis sein wird. Den Preis nimmt er sich aus dem Vorrat an Münzen, die für diese Runde bereit liegt.
Sobald der Markt mit Autos gefüllt ist, endet die Runde, es wird gewertet. Danach wird noch eine zweite und dritte Runde gespielt.

Am Ende gewinnt der Spieler, der die meisten Punkte erreichen konnte.

Kraftwagen

Varianten:

Das Spiel ist die zweite Auflage, und kommt mit Sonderplättchen, die eine zusätzliche 11. Aktion am Ende der Aktionsleiste hinzufügt, die sich immer wieder ändert. In jeder, der drei Runden, kommen nacheinander vier Plättchen ins Spiel. Nach einer Wertung kommen die alten Plättchen weg, und Set B oder C wird verwendet.

Kraftwagen

Fazit:

Material/Komponenten

Kraftwagen spart nicht mit Material und mir gefällt alles was ich sehe. Die Optik des Spieles würde ich als elegant bezeichnen. Die Grafiken sind sehr dezent und doch historisch anmutend. Besonders toll finde ich die verschiedenen Fahrzeugmodelle pro Stufe. Hier hätte man auch nur jeweils ein Bild nehmen können. Was praktisch, aber eher langweilig wirkt sind die Holzscheiben, die die Arbeiter symbolisieren. Hier hat man etwas Spiel, sein Spiel optisch aufzuwerten.
Schön, dass die Spielerauslagen auch aus fester Pappe sind, ich mag diese Papierunterlagen nicht, die sonst gerne verwendet werden.
Insgesamt macht alles einen hochwertigen Eindruck.
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Alter

Hinter Kraftwagen verbirgt sich ein Spiel mit sehr einfachen Grundmechaniken, aber sehr tiefgehender Strategie. Ich bin gespannt, ob es tatsächlich schon mit Zehnjährigen funktioniert, oder ob der Marktmechanismus und das festlegen der Preise hier die Spieler nicht sogar überfordert. Wir hatten leider dazu keine passenden Testspieler, die sich auf das Thema einlassen wollten. Aber ich werde die Information sicher nachreichen, wenn es denn dazu kommt.
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Regelheft

Kraftwagen kommt mit einem, aus meiner Sicht, Vorbildlich geschriebenen Regelheft. Es führt durch die einzelnen Stationen auf dem Spielbrett und erläutert die Mechanismen dahinter. Bei uns blieben am Ende keine Fragen offen, und ich musste auch nicht all zu oft während den ersten Partien nachschlagen, da die Hauptinformationen auch auf dem Spielbrett zu finden sind.
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Empfehlung

Zuerst möchte ich mich bei Uli Blennemann bedanken, der uns ermöglicht hat, Kraftwagen zu testen und zu spielen. Normalerweise sind komplexe Spiele ganz und gar nicht in unserer Wohlfühlzone.

Bei Kraftwagen fühlten sich die Informationen und Impressionen die ich sammeln konnte, anders an. Ich war überzeugt, das ist ein Spiel was wir bewältigen können und auch Spaß daran haben werden. Und so war es am Ende auch. Der Spielfluß ist flott, die Grundmechaniken sehr simpel und das Spiel ist rasch erklärt. Im Spiel selbst, müssen aber viele wichtige Entscheidungen getroffen werden, ob und welche Taktik man verwendet. Man kann es Anfangs aus dem Bauch heraus entscheiden, wird aber nach wenigen Spielen merken, hier steckt mehr Potential dahinter. Ein Aspekt sind die Errungenschaften; Bonuspunkte, die man bekommt, wenn man als Spieler, das erste Mal etwas bestimmtes erreicht. Zum Beispiel der Erste, der im Grand Prix eine komplette Runde fährt, bekommt drei Punkte, was am Ende nicht unwichtig sein kann. So müssen immer Abwägungen getroffen werden, ob es sich lohnt eine solche Errungenschaft anzustreben, oder doch lieber auf einen guten Verkaufspreis zu spekulieren. Gerade hier am Markt ist viel Spielerinteraktion möglich; man kann seinem Mitspieler das sichere Geschäft noch im letzten Zug vermiesen, indem man einfach das Selbe anbietet, nur etwas billiger. Diesen Aspekt der Interaktion muss man in Kraftwagen abhaben können, sonst ist das Spiel eher nix für euch.

Ein wenig Glück ist auch im Spiel, wenn es um die Forschungen geht. Liegen gute oder weniger gute Karten aus, passen sie zu meiner Strategie? Aber einen gewissen Glücksanteil schätze ich in allen Spielen, da es hier Neulingen immer die Möglichkeit gibt, auch gewinnen zu können. Besonders toll finde ich, dass man eigentlich an allen Aspekten des Spiels teilhaben muss, um gewinnen zu können. Man muss den Grand Prix mitfahren, und man muss Autos produzieren und verkaufen. Am Besten gefallen hat es mir mit vier Spielern, aber auch zu zweit ist das Spiel wirklich gut. Zu zweit sind die Entscheidungen auf dem Aktionsrondell sogar etwas schwieriger, da man weiß, wenn man Aktionen überspringt, wird diese der Gegenspieler nehmen.

Insgesamt ein tolles, etwas komplexeres Spiel, was ich aber durchaus auch im Familiekreis spielen würde. Nach einer Probepartie sollte jedem klar sein, worum es geht, und man merkt schnell, wie sich das Verhalten auf dem Automarkt dann verändert. Thematisch holt mich das Spiel komplett ab, ich habe wirklich das Gefühl, ich baue Autos und baue diese den Kundenwünschen entsprechend. Der Grand Prix ist eine tolle Ergänzung und bringt etwas Ablenkung vom Produzieren und Verkaufen. Das Ganze hübsch verpackt und nicht zu komplex, wie zum Beispiel Kanban.

Wer sich nun fragt, wie es sich von Glen More unterscheidet, der ja einen ähnlichen Mechanismus verwendet, der darf jetzt noch weiter lesen. Bei Glen More ist die Entscheidung auf der Aktionsleiste fast noch entscheidender, da ein Plättchen dann nicht wieder kommen wird, es ist meistens nur einmalig vorhanden, und muss genommen werden, oder die Chance ist vorbei. Wer in Glen More am Ende mehr Plättchen gelegt hat, als der Spieler mit den wenigsten Plättchen muss eine Strafe zahlen, was hier in Kraftwagen nicht der Fall ist. Für mich sind es zwei grundverschiedene Spiele, von denen ich Kraftwagen vorziehen würde, um es mit neuen Spielern zu spielen. In Glen More hat der erfahrene Spieler einfach zu viele Vorteile und der Neueinsteiger hat kaum eine Chance, diesen Erfahrungsvorspung aufzuholen.

Kraftwagen

Schachtelinhalt

4 Ablagetableaus
41 Fahrzeugkarrosserien
39 Motorblöcke
50 Forschungskarten + Spezialmarker
56 Preismarker
8 Käuferplättchen
56 Holz-Arbeiterchips
4 Holz-Automarker
1 schwarzer Holz-Marker
4 Startplättchen
10 Prämienplättchen
Bonusplättchen
1 Spielbrett
2 Spielanleitungen (de/cz)

Kraftwagen

Credits

ADC Blackfire Entertainment GmbH
Author: Matthias Cramer
Grafik: Harald Lieske
2-4 Spieler
10+ Jahre
ca. 75 Minuten

Preis

ca. 36-40 € (Stand September 2016)

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