#62 Papa spricht über … Kickstarter und Intervention

Intervention

Vor einiger Zeit hat mich Daniel Frese auf Facebook angeschrieben, und mir über sein Projekt, das Spiel Intervention erzählt. Es handelt sich dabei um ein rundenbasiertes, strategisches Science Fiction Spiel, welches sich zur Zeit auf Kickstarter befindet (Link zu Kickstarter). Daniel hat das Spiel dort vorgestellt und versucht damit, die Produktion zu refinanzieren, oder es gar ins Englische zu übersetzen.
Bevor ich allerdings einige Dinge zu seinem Spiel schreibe, möchte ich ein paar Worte über Kickstarter verlieren.

Was ist Kickstarter/Crowdfunding?

Am Beispiel von Intervention – Griff nach den Sternen, konnte ich einige Dinge sehr gut sehen, die mir als Außenstehender doch sauer aufgestoßen sind und mich nachdenklich gestimmt haben.

Die Ursprüngliche Idee von Kickstarter und anderen Crowdfunding-Plattformen, war es, Erfindern und Machern die Möglichkeit zu geben, ihr Projekt zu präsentieren, und eine Vorabfinanzierung von späteren Käufern zu bekommen, oder eben Leuten, die die Idee nur unterstützen wollen, ohne eine Gegenleistung zu erhalten.
Auch heute gibt es diese Projekte noch, und vielleicht ist es in anderen Bereichen weniger Konkurrenz, als inzwischen im Brettspielbereich herrscht. Hier werden die Erwartungen an ein Kickstarter-Projekt inzwischen sehr hoch gesteckt. Nicht nur muss ein gut produziertes Video gezeigt werden, nein, es werden auch fertige Regelhefte und Bilder von Komponenten erwartet. Letzteres wird oft durch einen Trick, 3-D Renderings erreicht.
Kaum kommt ein Produkt einigermaßen an, werden die Schreie nach mehr Zeug, die sogenannten Stretch-Goals (Zugaben) laut, was in aller Regelmäßigkeit vermutlich dazu führt, dass Spielehersteller eben nur ein halbes Spiel anbieten, um dann Addons hineinpacken zu können, die ins Spiel gehören. Ist wie auf einem Hamburger Fischmarkt.

Wer sich den Kickstarterbereich für Brettspiele anschaut, sieht dort verdächtig oft alte Bekannte. Inzwischen gut etablierte Spielehersteller holen sich dort das Geld für die Produktion, statt bei einer Bank danach zu fragen… clever. Diese Unternehmen haben natürlich eine Marketingabteilung, die die Kampagnen auf allen sozialen Netzwerken befeuern können, haben das Geld und die Verbindungen Prototypen zu erstellen, und diese an professionelle Rezensenten zu schicken und haben die Möglichkeit jede Menge Stretch Goals hineinzupacken.
Auf genau ein solches Paket warte ich auch noch, und ärgere mich, dass ich 100€ ausgegeben habe für ein Spiel, was mich vermutlich nur durch die schiere Masse an Plastikminiaturen geblendet hat.

Was ist aber mit den Leuten, die tatsächlich in völliger Eigenregie versuchen ein Spiel zu produzieren, und nicht die oben genannten Mittel haben? Diese werden dann bestenfalls mit Nichtachtung gestraft, oder schlimmstenfalls beschimpft und in Verruf gebracht:
Worst Kickstarter Ever | Boardgamegeek.com

Wir müssen nicht viele Jahre zurück gehen, und sehen eine Kampagne von Clever Mojo Games, die eines meiner Lieblingsspiele herausgebracht haben und vermutlich das Erste richtig erfolgreiche Kickstarter Projekt war. Schaut Euch mal deren Kampagne an:
Link zur Alien Frontiers Kampagne aus 2011

Das war sicher auch eine andere Zeit, aber verdeutlicht für mich doch sehr genau, das wir uns inzwischen, ich nehme mich da nicht aus, doch sehr von dem Außen, der Optik, leiten lassen. Und schon bei Büchern haben wir doch gelernt, es nicht nach dem Einband zu beurteilen.

Intervention – Griff nach den Sternen

So kommen wir zu Daniels Spiel. Ich habe ihm die selbe Kritik um die Ohren gehauen, wie vermutlich jeder andere… keine Regeln, seine Webseite war sehr schräg, und mich störte, dass man kaum etwas über das Spiel erfahren hat. Ich habe aber immer auch versucht meine Kritik konstruktiv zu halten. Er aber war von der ersten Minute unserer Chats komplett von seinem Spiel überzeugt und lies sich wenig zurückschrecken. Wie ich später erfahren habe, wäre das auch definitiv zu spät gewesen, da sich das Produkt schon im Druck befindet. Und genau diese Überzeugung und die Tatsache, dass er das Spiel bereits in der Produktion hat, hat mich sehr neugierig gemacht.

Also kam es dazu, dass Knopfspiele seinen ersten Prototypen bekommen hat. Und ich sage vorweg… oft mach ich das nicht 🙂

Speziell seine Aussage: Das Spiel ist familienfreundlich und kann sogar mit Kindern gespielt werden, hat mich wirklich irritiert, und angestachelt. Ich habe immer ein großes Weltraum Spiel erwartet… Raumschiffe, Raumschlachten, Forschung und Allianzen und Erforschung des Raums. All das passiert auch in Intervention. Aber nicht in dem Maß, in der ich es erwartete.

Als ich mich durch die sehr prototypigen Regeln ohne Bilder…. da merkt man wie wichtig das ist, gekämpft habe, habe ich begonnen einige Proberunden zu spielen. Es ist gut, dass er dieses Regelwerk nicht veröffentlicht hat, da es wohl mehr Fragen als Antworten lieferte.

Ich gebe jetzt einen sehr knappen Überblick und meine Einschätzung des Spieles wieder. Ich kann ihm, mit der wenigen Erfahrung die ich gemacht habe, nicht so gerecht werden, wie es der Spielerfinder selbst tun könnte.
Also bitte nicht alles auf die Goldwaage legen.

Wie spielt es sich?

Es fühlte sich sehr simpel an, ein einfaches Laufspiel mit Ereignisfeldern, die Schicksalsleiste. Aber dabei blieb es nicht. Man baut Raumschiffe, und entscheidet eben selbst, welches man baut, solange man die Kosten zahlen kann. Und diese unterscheiden sich je nach Faktion, die man spielt. Das Erforschen des Interversums ist glücklastig, und kann sehr einseitig sein, aber man entscheidet selbst, wohin man sich bewegt. So ist das nun Mal mit Universen, Gleichverteilung gibt es nicht.

Das Kampfsystem ist einfach gehalten, was ich wirklich schätze. Erinnert man sich zurück an seine Zeit in der man Rollenspiele wie das Schwarze Auge oder Dungeons and Dragons gespielt hat, fühlt man sich hier gleich zu Hause. Und eines der begehrtesten Spiele auf dem Gebrauchtmarkt, Heroquest, hat auch kein komplexeres Kampfsystem. Manchmal ist simpel einfach besser.

Unterm Strich hat mich das Spiel wirklich überzeugt, und bekommt von mir ein schnell ausgedachtes Siegel: Familienfreundlich. Als jemand, der wirklich viel mit Kindern spielt, und sich dort gut hineinversetzen kann, ist man oft erstaunt mit wie wenig, das soll nicht negativ klingen, die Kids zufrieden sind. Für 40€ bekommt ihr ein tolles Familienspiel, dass in lockerer Runde zusammen gespielt werden kann. Es hat einiges an Glück und an Asymmetrie im Spiel, aber genau das macht es so reizvoll. Zusätzlich bekommt Ihr ein Spiel, mit sehr eleganten Material daherkommt, oder wie viel Spiele mit Magnet-Playerboards habt ihr zu Hause im Schrank? Klar sicher, mit Plastikminis wäre das Spiel schon lange finanziert, und vielleicht muss ein Spiel heute auch 75-100€ kosten um wahrgenommen zu werden, aber die Chips erfüllen ganz und gar ihren Zweck, und ich bin froh über jedes Spiel, das nicht wegen der Komponenten so teuer wird.

Lobhudelei

Ich möchte einfach eine Lanze für Daniel brechen, der den Mut hat so ein Projekt komplett alleine zu stemmen. Wir sollten solche Ideen fördern und unterstützen, statt nur nach den Fehlern zu suchen. Denn nur wenn auch neue Leute das Spielfeld betreten, kann es neue Innovationen geben. Schaut Euch auf Kickstarter um, und ihr werdet sehen, wie viele Clone und Schonmaldagewesenes sich dort tummelt.

Und da zwei Daniels nicht genug sind, möchte ich auch noch auf ein Video von Daniel von Lets Boardgame verweisen:

Dieses Video erklärt das Spiel besser, als ich es jemals könnte… schaut einfach mal rein. Da habt ihr wirklich einen Einblick, wie das Spiel funktionieren wird.

Nach einem Telefongespräch mit dem Spieleerfinder, weiß ich natürlich, was noch alles so geplant ist, und werde das mal offen lassen, um nix vorweg zu nehmen. Daniel lässt sich jedenfalls von einer schlecht laufenden Kickstarter Kampagne nicht beeindrucken, und macht weiter sein Ding. Chapeau, davor ziehe ich meinen virtuellen Hut, und freue mich mir irgendwann selbst eine Kopie sichern zu können.

Wer neugierig geworden ist, kann sich in Essen dieses Jahr auf die Suche begeben, und Daniel dort antreffen, und sich das fertige Produkt dort anschauen.

One thought on “#62 Papa spricht über … Kickstarter und Intervention

  1. Thomas

    Das Interesse an Crowdfunding steigt ja mittlerweile immer mehr weiter an. In den unterschiedlichsten Bereichen wird darauf zurückgegriffen, weil es einfach eine ganz tolle Chance sein kann.

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