#70 Papa spielt … Via Nebula

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Via Nebula

Wir hatten ja schon die bunten Bäume im Herbst (Arboretum). Was passt noch zum Herbst? Nebel, wie passend, dass hier gerade Via Nebula liegt. Kennt jemand ein Regenspiel für nächste Woche?

Via Nebula ist eine wirkliche Überraschung für mich, als ich den Designer auf der Box gesehen habe. Martin Wallace erfindet normalerweise Spiele, die mich nicht die Bohne interessieren. Es sind oft Wirtschaftsspiele um den Eisenbahnbau oder Kohleabbau oder Aufbau und Fall von Zivilisationen. Ich kenne die Titel der Spiele, und hatte nie die Absicht eines dieser Spiele auszuprobieren. Vielleicht müsste mich hier mal jemand an die Hand nehmen, und mich heran führen. Aber das Artwork auf der Schachtel von Via Nebula sprach eine andere Sprache, und auch der Publisher Space Cowboys, von denen eines unserer Lieblingsspiele Splendor ist, lies mich einen zweiten Blick auf das Spiel werfen. Das war meine Chance einmal ein Martin Wallace Spiel zu spielen.

Via Nebula

In Via Nebula wollen wir das Tal Nebula wieder aufbauen, nach dem die dunklen Ungeheuer das Tal verlassen haben. Wäre dort nicht der Nebel, wäre das ja fast ein Kinderspiel. Aber nicht alles ist schlecht, denn wenigstens sind genug Rohstoffe vorhanden.
Jeder Spieler bekommt Gebäude, die er bauen muss, und Arbeiter, die ihn dabei unterstützen. Zusätzlich natürlich Baukräne und Wiesenplättchen, die den Nebel passierbar machen. Zuletzt hat jeder Spieler noch zwei geheime Aufträge, die er im Spiel erfüllen kann.

In seinem Zug hat der Spieler zwei Aktionspunkte, die er in verschiedenen Aktionen nutzen kann:

  • Einen Bauplatz einrichten: er besetzt eine Hälfte einer Ruine mit einem Baukran
  • Einen Arbeiter einsetzen: er besetzt ein Rohstofffeld und macht diese für alle Spieler verfügbar. Dafür gibt es ein paar Punkte. Der Arbeiter ist aber dort gebunden, bis alle Rohstoffe weggenommen wurden.
  • Einen Rohstoff zum Bauplatz transportieren: Ist ein Bauplatz korrekt mit einem Rohstofflager verbunden, kann ein Rohstoff auf den Bauplatz gelegt werden.
  • Ein Nebelfeld erforschen: Der Spieler platziert ein Wiesenplättchen auf einem Nebelfeld.
  • Ein Gebäude errichten: eines der offen ausliegenden Aufträge, oder einen Geheimauftrag, mit den Ressourcen auf einem Bauplatz errichten
  • Oder als Spezialfall, der zwei Aktionspunkte auf einmal kostet, einen versteinerten Wald erforschen: Der Spieler platziert ein Wiesenplättchen auf einem versteinertem Wald.


  • Die Spieler versuchen nun genug Rohstoffe auf Ihre Bauplätze zu transportieren, um eine der vier Auftragskarten zu erfüllen. Diese Auftragskarten haben meist noch einen Soforteffekt und geben Siegpunkte am Ende des Spieles. Der Spieler, der das letzte seiner Gebäude baut, beendet das Spiel und der Spieler mit den meisten Siegpunkten gewinnt. Dabei bringen die Auftragskarten Punkte, die erschlossenen Rostofffelder bringen Punkte und durch das Legen von Wiesenplättchen, kann ein Entdeckerbonus erarbeitet werden. Manche Gebäude ermöglichen noch Sonderwertungen. Aber es gibt auch Punktabzug, wenn man nicht effizient genug oder zu gierig war. Jeder Rohstoff, der sich noch auf einem Bauplatz befindet, oder an einem besetzten Rohstofffeld, geben am Ende einen Minuspunkt.

    Via Nebula

    Varianten

    In den Spielervarianten mit nur zwei und drei Spielern, sind die Ressourcenfelder weniger ergiebig. Eventuell bekommen die Spieler mehr Arbeiter und speziell im 2-Personenspiel, sind die Bauplätze nicht mehr geteilt, sondern decken komplett eine ganze Ruine ab.

    Via Nebula

    Fazit zu Via Nebula:

    Material/Komponenten

    Beim Material wurde mengentechnisch nicht gespart. Das Spielbrett ist riesig, und enthält wirklich hübsche detailreiche Illustrationen, die entdeckt werden wollen. Leider gehen diese Grafiken im Spiel völlig unter, da sie keinerlei Einfluss und Bedeutung im Spiel haben. Die Spielertableaus sind nur etwas dickeres Papier. Ist aber nicht schlimm, sollen ja nur Materialien drauf abgelegt werden und dienen als praktische Spielerhilfe.
    Die gewählten Farben Blau, Braun, Weiß und Schwarz sind etwas gewöhnungsbedürftig, hier hätte ich mir sattere und kontrastreichere Farben gewünscht.
    Toll ist allerdings, dass jede Spielerfarbe andere Formen bei den Gebäuden hat. Schönes Detail.

    Ressourcen sind nett gestaltet und ausreichend in der Box enthalten. Stichwort Box; hier ist ein super funktionales Tiefziehteil hergestellt worden, in das alles einsortiert werden kann. Ich lager meine Spiele aber hochkant und somit ist das Tiefziehteil nicht mehr als optischer Zucker. Am Ende purzelt doch alles durcheinander, so dass ich es inzwischen entsorgt habe.

    Kleine Kritik an den Wiesenplättchen. Hier hätte man noch das ein oder andere Blümchen mit daraufdrucken können. Die Plättchen sehen aus, als wären sie nicht fertig, passt einfach nicht zum vielversprechendem Titelbild.
    Via Nebula

    Alter

    Ab 12 steht auf der Schachtel. Da das Spiel zwar einfach Regeln, aber eine komplexe Spieltiefe hat, würde ich sagen; Das passt so. Man darf sich nicht von der niedlichen Grafik auf der Box täuschen lassen. Via Nebula ist am Ende sehr verkopft, und ein sehr strategisches Spiel. Spielmechanisch können jüngere Spieler auch mitspielen, werden aber nicht viel Spaß am Spiel haben, wenn jemand dabei ist, der es versteht Via Nebula zu spielen.
    Via Nebula

    Regelheft

    Das Regelheft ist gut geschrieben, und leitet einen schnell durch den Aufbau und den Spielablauf. Einzig das Format nervt mich ein wenig, denn es nimmt viel Platz ein und liegt auch aufgrund seiner Größe wabbelig in der Hand.
    Via Nebula

    Empfehlung

    So da ist es nun, das erste Martin Wallace Spiel auf meinem Tisch. Und was soll ich sagen, es hat mir gefallen. Es sieht nach dem Auspacken so harmlos aus. Auch nach der Erklärung der Regeln ist man noch guten Mutes, ein entspanntes Spiel vorzufinden. Aber schon nach wenigen Zügen offenbart sich das Spiel. Spätestens wenn ich eine Rohstoffquelle erschließe, meine Mitspieler es aber komplett ausnehmen, bis ich wieder am Zug bin. Das hätte man berechnen müssen. Oder man erschließt Rohstoffe, aber keiner nimmt sich etwas davon. Auch muss man sich bewusst sein, baue ich einen Weg, ist dieser für alle nutzbar. Somit ist in Via Nebula ständig abzuschätzen, was nutzt mir gerade sehr, meinen Mitspielern aber gar nicht, bzw eher weniger.
    Die Auftragskarten sind ein weiterer Reibungspunkt. Ich spare auf eine Karte, was meine Mitspieler wahrscheinlich mitbekommen. Was ist nun, wenn ein Mitspieler es mir gerade so vor der Nase wegschnappt, und keine der folgenden Auftragskarten zu meinen gesammelten Rohstoffen passen. Hier muss man auf Spezialeffekte der Aufträge hoffen, oder man hat noch ein Ass in Form seiner Privataufträge im Ärmel.

    Ich neige dazu, Spiele oft aus dem Bauch heraus zu spielen, aber hier hatte ich manchmal das Gefühl einen Buffer-Overflow, zu viel Informationen verarbeiten zu müssen. Das möchte ich nicht immer tun, aber ab und an mag ich solche Optimierungsrätsel.

    Wirklich schön ist, dass das ganze Material sehr einladend ist, und auch die Regelerklärung schon fast im Spiel selbst geschehen kann. Ich denke fünf Minuten und es kann losgehen, was speziell bei meinen ungeduldigen Mitspielern ein großes Plus ist. Thematisch leidet das Spiel leider etwas an der Komplexität der Zusammenhänge. Ich habe im Spiel nicht das Gefühl, in einem Nebeltal etwas aufzubauen, sondern sehe nur Transportwege und wo ich eventuell die nächste Ressource herbekomme, oder noch besser, wie bekomme ich meinen Mitspieler dazu, diese Arbeit für mich zu erledigen. Ein weiterer thematischer Schnitt sind die Auftragskarten. Man baut ein Gebäude, und die Karte sagt „Priester“. Da muss man sich dran gewöhnen.

    Durch die zufällige Verteilung der Rohstoffe und den beiden Spielbrettseiten spielt sich jedes Spiel auch komplett anders, kann aber auch zu doofen Situationen kommen. Wir hatten ein 2-Personen Spiel, in den alle Ziegel in einer Ecke des Spielbrettes lagen, aber keiner damit verbunden war. Leider erforderten alle Aufträge zufällig auch Ziegel. Da hat sich das Spiel dann etwas in die Länge gezogen, was aber sicherlich dem Zufall geschuldet war. Am besten gefallen hat uns das Spiel zu dritt, es ist genug Interaktion zwischen den Spielern und trotzdem ist man, die Denkpausen mal abgezogen, recht schnell wieder an der Reihe. Durchaus ein Spiel, was ich immer wieder gerne Spiele.

    Eine Sache allerdings gefällt mir gar nicht. Wer zuerst seine Gebäude fertig stellt, bekommt zwei Bonuspunkte, und hat zudem zuvor die Macht, das Spielende zu bestimmen. Wenn abzusehen ist, dass ein Mitspieler alles zusammen hat, für das Spielende, fängt man besser keine neuen Baustellen mehr an, und erschließt keine Rohstofffelder mehr. Also ist der Spieler gezwungen einen belanglosen Zug zu machen. Das kann der führende Spieler im Prinzip beliebig lange praktizieren, da sich für ihn die Situation nicht ändert. Hier sind einfach die Spieler am Tisch gefordert, solche Situationen zu vermeiden. Ich hätte mir gewünscht, dass das Ende doch mehr einen Überraschungsmoment hätte, als fast schon kalkulierbar zu sein. Und mich dabei dann dazu verdammt, dieses Ende eben abzuwarten, um nicht noch eine Menge Minuspunkte einzusammeln. Ein weiterer kleiner Haken: Die Aufgabenkarten können im Spielverlauf so unpassend sein, dass eventuell eine Rohstoffsorte nicht mehr verfügbar oder nur schwer erreichbar ist. In diesem Falle wäre ein Austausch der Karten oder eine Möglichkeit andere Rohstoffe zu tauschen eine gute Möglichkeit gewesen.

    Zusammenfassend kann man über Via Nebula sagen; Es ist ein gutes solides Spiel mit einigen Ecken und Kanten, das sicherlich nicht für jedermann gemacht ist. Es bringt keine großen Innovationen mit sich, macht aber dennoch Spaß, es zu spielen. Ich habe mir sagen lassen, dass es sich tatsächlich wie eines der Martin Wallace Zug-Spiele anfühlt, bin aber mit der Ausrichtung von Via Nebula ganz zufrieden. Lieber Wiesen als Schienen.

    Via Nebula

    Schachtelinhalt

    1 Spielbrett
    24 Baukräne
    60 Wiesenplättchen
    4 Charakterbögen
    42 Karten
    25 Rohstoffplättchen
    20 Holz-Gebäude
    12 Arbeiter
    90 Rohstoffe
    1 Spielanleitung

    Credits

    Space Cowboys / Asmodee
    Author: Martin Wallace
    Grafik: Vincent Joubert
    2-4 Spieler
    ab 12 Jahre
    ca. 45-60 Minuten

    Preis

    ca. 39€ (Stand November 2016)

    Ich bedanke mich bei Asmodee für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars.

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