#78 Papa spielt … Hoch die Becher

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Hoch die Becher
Hoch die Tassen, die Becher oder sonst was. Es kommt die Zeit der Familienfeste und der gemeinsame Abend zu Sylvester. Wieso nicht einmal ein heiteres Trinkspiel (thematisch), um die Runde aufzulockern. Aber irgendwie liegt etwas in der Luft. Prost, auf das wir den Abend alle überstehen.

Jeder Spieler bekommt einen Becher, einen Sichtschirm, Wein, Gift und Gegengift, und eine Rolle zugeteilt. Zuletzt bekommt jeder Spieler ein Opfer zugewiesen, den es gilt, in der Trinkrunde um die Ecke zu bringen. Dieses Opfer ist öffentlich bekannt. Kein Wunder, dass Tante Else eben so nett zu mir war, die kann mich doch sonst nicht ausstehen.

In jedem Zug kann ein Spieler mit zwei Aktionen die Becher befüllen und deren Positionen manipulieren. Entweder durch Rotation oder Vertauschen seines Bechers mit einem anderen Becher, oder er kann in seinen Becher spicken. Das geschieht so lange, bis ein Spieler seinen gesamten Wein auf die Becher verteilt hat, und entscheidet einen Toast auszusprechen. Dann hat jeder Spieler noch eine Aktion. Die letzte Aktion hat derjenige, der den Toast ausgesprochen hat. Nun trinkt jeder seinen Becher leer… nein nicht wirklich, das ist kein Legacy-Spiel, in dem Sich das Spiel nachhaltig auswirkt; man leert den Inhalt auf den Tisch. Solange man mehr Gegengift in seinem Becher hat, als Gift, überlebt man diese wilde Party. Andernfalls…. Ruhe in Frieden.

Jetzt wird noch überprüft, ob jeder sein Ziel „erledigt“ hat, und ob er selbst überlebt hat, und wer den meisten Wein im Kelch hatte. Insgesamt sind so bis zu vier Siegpunkte möglich. Welcher Spieler nach drei Runden die meisten Punkte hat, gewinnt bei dem Besäufnis. Man stelle sich die Bediensteten am Hofe vor, die im Minutentakt vergiftete Gäste aus dem Raum tragen. Skurriles Setting jedenfalls.

Varianten:

Das Spiel bietet noch die Möglichkeit, mit 7-12 Spielern zu spielen. Dabei werden Zweierteams gebildet, bei denen ein Spieler den Vorkoster spielt. Dabei wird zu Beginn geheim festgelegt, ob der Vorkoster seinem Herrn, oder seiner Herrin, wohlgesonnen ist. Oder ob die letzte Lohnerhöhung so mies war, dass er nun seine Chance wittert, und mit dem Rivalen gemeinsame Sache macht.
Es ist zudem möglich, immer wenn ein Spieler stirbt, dass er sich in der nächsten Runde eine andere Person, und damit neue Spezialfähigkeit nimmt. Diese Variante spielten wir immer, ist die thematisch richtigere Wahl.

Hoch die Becher

Fazit zu Hoch die Becher:

Material/Komponenten

Hier scheint das Spiel Hoch die Becher richtig hell. Die Becher sind super. Fast schon zu schön, um eine Spielkomponente zu sein. Die Tropfen sind auch klasse gestaltet, und lassen sich gut handhaben. Sie springen beim Hineinwerfen nicht aus den Bechern, und das klonk-klonk ist sehr deutlich. So können Mitspieler überprüfen, wie viele Tropfen tatsächlich im Becher gelandet sind.

Die Spielerschilde sind etwas flimmsig und etwas zum Spieler geneigt, was das Lesen der Informationen auf den Schirmen etwas erschwert. Sie verbergen gut, was sich dahinter verbirgt, und erfüllen somit ihren Zweck. Die Punktemarker sind schön groß, dass sie im Trubel nicht untergehen. Die Karten sind von durchschnittlicher Qualität, was aber völlig in Ordnung ist. Sie liegen die meiste Zeit auf dem Tisch, und müssen nicht gespielt werden.
Hoch die Becher

Alter

Das Spiel ist ab acht Jahren. Es ist simpel und sieht den morbiden Humor mit einem Augenzwinkern. Ich würde andere Spiele mit Kinder bevorzugen, aber kann man schon mal auf den Tisch bringen. Aus Jugendschutzgründen ist es dann eben Traubensaft, statt Wein.
Hoch die Becher

Regelheft

Die Speisekarte, oder auch das Regelheft, ist gut geschrieben. Einzig einige Charakterkarten hätten nochmal genauer beleuchtet werden dürfen. Gut ist, dass wichtige Worte und Satzteile dick gedruckt sind. Das macht immer noch nicht jeder Verlag. Erleichtert aber das Nachschlagen sehr.
Hoch die Becher

Empfehlung

Im Jahr 2016 gab es bei uns im Hause einen absoluten Überraschungshit, Potion Explosion von Horrible Games, deshalb wurde Hoch die Becher gleich interessant. Wir sind oft in einer größeren Spielrunde zusammen, und schon alleine deshalb sind Spiele mit sechs und mehr Spielern gern gesehen, auch wenn gute Spiele hier eher rar gesät sind.

Die erste Spielrunde verlief leider gar nicht so positiv. Jeder am Tisch hat sich gefragt, wo denn die Taktik in diesem Spiel liegt, da alles so völlig zufällig und willkürlich passierte. In der Anleitung stand ein Tipp, den ich dann weitergegeben habe, erstmal nur zwei Becher zu verfolgen. Es wurde dadurch etwas besser, aber hier kamen dann die Sonderfähigkeiten der Spieler, der Planung in die Quere. Denn wenn als letzte Aktion einer Person die Becher gleich zweimal rotiert werden durften, hilft die beste Vorbereitung nichts. Auch wann ein Toast ausgesprochen wird, kann irgendwann geschehen, da kann ein Plan aufgehen, oder eben auch nicht.

Auch nach einige Runden kam nicht der Spielspaß auf, der das Bild auf der Schachtel und das Thema verspricht. Wir sind eine morbide Truppe und haben keine Probleme uns gegenseitig an oder in die Gurgel zu gehen. Spiele wie der Widerstand oder Vollmondnacht, sind große Hits. Hoch die Becher konnte leider bei uns nicht überzeugen. Der Ausgang eine Ganges (eine Spielrunde) ist doch komplett zufällig, und je mehr Spieler am Tisch sitzen, desto zufälliger wurde es. Bei vier Spielern war es noch kalkulierbar, aber nicht besonders witzig, bei sechs Spieler, eben wie beschrieben. Auch die Vorkoster haben es nicht besser gemacht, eher schlimmer, denn jetzt weiß man noch nicht mal, ob der Vorkoster einem wohlgesonnen ist oder nicht.

Zudem waren die Spiele einfach auch zu lang. Für drei Durchgänge mit 6-9 Personen brauchten wir am Ende je eine Stunde. Und in dieser Stunde wiederholt sich ständig alles, und ist am Ende doch reiner Zufall, ob man überlebt oder nicht. Das empfanden ich und andere als frustrierend. Die angegebenen 30 Minuten auf der Schachtel kann man vermutlich nur in Minimalbesetzung erreichen.

Ich sehe die Idee hinter dem Spiel, und das Material ist sehr ambitioniert. Vielleicht hätten man sich etwas mehr Zeit nehmen sollen, und doch ein besseres Spiel entwickeln sollen, als diese witzige Nebenbeschäftigung am Spieltisch. Es gibt ein Video vom Designteam, dort spielen sie Russisch Roulette mit echtem Wein in den Bechern, und einem Becher Wein mit Salz. Vielleicht ist das das witzigere Spiel.

Es tut mir wirklich leid, kein besseres Fazit ziehen zu können, denn gerade durch Potion Explosion hatte ich hohe Erwartungen an eine Neuheit von Horrible Games. Gerade die Charakterkarten sind sehr witzig gemacht, das Material ist super und die thematische Idee genau mein Ding. Leider fehlt mir wie schon gesagt, die Kontrolle über das was im Spiel passiert. Wenigstens ein bisschen. Vielleicht passten aber auch einfach die Spieler nicht zum Spiel. Es waren alles so genannte Casual-Gamer, Gelegenheitsspieler, die auch mal einen wirren Zug machen, um zu sehen, was passiert. Vielleicht funktioniert das Spiel besser, wenn jeder am Tisch 100% fokusiert ist. Aber das widerspricht dem Partyspiel-Konzept.

Am Ende kann natürlich ein Gewinner ermittelt werden, aber er wird, wie nach jeder guten Party, nicht sagen können, wie der Pokal in sein Bett gekommen ist.

Hoch die Becher

Schachtelinhalt

6 Becher mit Untersetzern
33 Karten
6 Sichtschirme
47 Siegpunktmarker
52 Plastiksteine
1 Spielanleitung

Credits

Horrible Games, Heidelberger Spieleverlag
Author: Tim Page
Grafik: Nick Miles
2-12 Spieler (4-6 normales Spiel, alle anderen Spieleranzahlen mit Sonderregeln)
ab 8 Jahre
ca. 30-45 Minuten

Preis

ca. 32€ (Stand Dezember 2016)

Ich bedanke mich beim Heidelberger Spieleverlag für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars.

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