#81 Papa spielt … Automania

      1 Kommentar zu #81 Papa spielt … Automania

Automania

Es gibt nicht viele Spiele, die sich mit dem Thema Automobil und deren Konstruktion beschäftigen. Ich habe hier auf dem Blog ja schon eine Perle (Kraftwagen) vorgestellt. Ein weiteres Spiel, was mir noch einfällt, ist Kanban. Letzteres ist allerdings ein ziemlicher Brocken, und würde ich als nicht sehr Familienspiel tauglich bezeichnen. Automania ist 2015 auf Kickstarter gefördert worden, und wird inzwischen von Asmodee für den Norwegischen Verlag Aporta Games vertrieben. Aporta Games fabriziert zum Teil sehr spannende Spiele, und ihr werdet hier in Zukunft noch das ein oder andere zu Gesicht bekommen.
Was versteckt sich nun aber hinter dem comichaften Erscheinungsbild von Automania? Ein schwerer Strategiebrocken, oder ein seichtes Familienspiel?

Jeder Spieler hat eine Fabrik mit mehreren Produktionslinien für Kleinwagen, Familienwagen und Sportwagen. Diese Linien können mit besseren Maschinen ausgestattet werden, um hochwertigere Autos zu produzieren.
Automania

In der Mitte des Spielplans liegen in einem 4×4 Raster, Plättchen, um die Fabriken zu verbessern und um neue Mitarbeiter einzustellen. Um an diese Verbesserungen zu kommen, platziert der aktive Spieler einen seiner Mitarbeiter auf ein freies Feld am Rand des Rasters. Dieses Feld bestimmt aus welcher Reihe oder Spalte er sich ein Plättchen nehmen darf, und welches Auto er produzieren und bezahlen muss. Es gibt noch eine Spalte und Reihe, in der kein Auto entsteht, sondern der Spieler sich einen neuen Spezialauftrag nehmen kann. Das sind Karten die bestimmte Autos verlangen, um am Ende weitere Punkte zu bekommen. Es ist für den Spieler auch möglich ein schon besetztes Feld zu nutzen, dann aber muss er einen Arbeiter mehr, als dort schon steht einsetzen. Der „verdrängte“ Arbeiter kommt zurück zum jeweiligen Spieler und kann erneut eingesetzt werden. Aber man darf ein Feld nur besetzen, wenn man die Produktionskosten der Autos auch bezahlen kann.
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Das produzierte Auto profitiert von allen Verbesserungsplättchen auf der jeweiligen Produktionslinie, und der Spieler muss nun entscheiden, auf welchem Markt er das Auto anbieten will. Der europäische und amerikanische Markt haben jeweils verschiedene variable Anforderungen. Der eine Markt verlangt nach schnellen Autos mit viel Stauraum, der andere vielleicht nach umweltbewussten Autos mit Servolenkung. Die Autos wandern aus der Produktion auf das Containerschiff des gewählten Marktes und der jeweiligen Sternenanzahl, die das Auto nach der Produktion erzielt. Sollte der Platz schon belegt sein, muss der nächst tiefere Lagerraum gewählt werden. Je nach Schiff, auf dem Verladen wird, bekommt der Spieler sofort 0-3 Siegpunkte. Die Position auf den Schiffen entscheidet am Ende einer jeder Runde über die Reihenfolge des Verkaufens. Der nordamerikanische Markt gibt in der Regel etwas mehr Geld, wobei hingegen der europäische Markt mehr Punkte abwirft. Es gibt noch Möglichkeiten die Sternbewertung eines Autos durch Einsatz von Arbeitern zu verbessern. Auch Angestellte in der Fabrik können einen permanenten Bonus bringen.

Wer keine Arbeiter mehr einsetzen kann oder will, besetzt eines der vier Vertriebsbüros. Diese bestimmen die Spielerreihenfolge für die nächste Runde, und wie viele Autos man diese Runde verkaufen darf. Es kann also passieren, dass man mehr Autos auf Schiffe lädt, als man verkaufen darf. Diese bleiben dann dort für die nächste Runde. Hat jeder Spieler ein Büro besetzt, beginnt der Verkauf der Autos von den Schiffen. Das wird nun vier Runden lang gespielt.

Am Ende werden die restlichen Autos gewertet, Bonuspunkte für das meiste Geld verteilt, Aufträge gewertet und wer dann die meisten Punkte gesammelt hat, gewinnt das Spiel.

Varianten:

Die Fabriktableaus haben eine B-Seite, die jedem Spieler eine Spezialfähigkeit gibt. Diese Variante wird Fortgeschrittenen empfohlen.

Automania

Fazit zu Automania:

Material/Komponenten

Materialtechnisch wurde hier alles richtig gemacht. Die Pappe ist stabil, die Fabriktableaus sind aus fester Pappe und alle Holzmeeple sind Standardmeeple die man aus Carcassonne kennt. Die Karten haben auch eine gute Qualität. Insgesamt tolle Komponenten. Wo andere Kritik an der Grafik üben, kann ich mich nicht anschließen. Ich finde das Spiel hat eine wirklich tolle Optik und ist dadurch sehr einladend, wenn es darum geht, auch Familienspieler zu diesem Spiel zu überreden. Besonders toll finde ich die Geldmarker, diese sind schön groß. Das ist mir immer wichtig, da man mit diesen ja doch sehr viel hantiert.
Automania

Alter

Das Spiel soll für Spieler ab 12 Jahren sein, was ich bestätigen kann. Das Spiel sieht zwar aus, wie ein leichtes Familienspiel, hat es aber in sich. Es sind wirklich viele Entscheidungen zu treffen, und die Mechanismen greifen sehr ineinander, was es zu einem Kennerspiel macht.
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Regelheft

Das Regelheft ist nicht sehr umfangreich, lediglich sieben Seiten müssen gelesen werden. Das Layout ist meistens zweispaltig, das in der rechten Spalte oft ein grafisches Beispiel bietet. Auf der Rückseite ist eine praktische Übersicht der Farbrikplättchen und der Vertriebsbüros. Wer das Spiel einmal gespielt hat, wird vermutlich in Zukunft mit dieser Übersicht auskommen. Das einzige was ich vermisst habe, ist die Übersicht der zum Spiel gehörigen Komponenten. Das muss man sich mühsam aus dem Kontext konstruieren.
Automania

Empfehlung

Man darf sich von der Grafik auf der Schachtel nicht täuschen lassen. Hinter Automania verbirgt sich ein waschechtes Strategiespiel, in dem es am Ende sicher eng zugeht. In unseren Partien war der Punktstand am Ende immer sehr nah beieinander, da das Spiel mit einem wunderbaren Aufholmechanismus daherkommt. Der Spieler, der am Ende eine Runde am weitesten Hinten auf der Punkteleiste steht, darf entscheiden, welches Set an Anforderungen aus einer Auswahl auf die jeweiligen Märkte rutscht, und kann sich damit selbst etwas in den Vorteil bringen. Obwohl das Spiel doch einiges an Komplexität mit sich bringt, ist es rasch erklärt und jeder versteht sofort, worum es geht.

Man muss nicht ewig einen Weg verfolgen, bis das erste Auto vom Band plumpst. Nein, direkt im ersten Zug wird man höchstwahrscheinlich ein Auto bauen. Jede Entscheidung die man treffen kann, ist auch wichtig. Welchen Markt bediene ich, welches Plättchen will ich haben, ist es das Plättchen Wert, dass mein Mitspieler wieder einen Arbeiter zurück bekommt, welche Autos verkaufe ich, und welche Autos lasse ich lieber für die nächste Runde auf den Schiffen, welche Leute stelle ich ein oder baue ich Heckspoiler an meine Autos, die mir erlauben bestimmte Geheimaufträge zu erfüllen. Zudem ist man bei jeder Verkaufsrunde in der Zwickmühle, ob man mehr Geld oder mehr Punkte erreichen will. Ich mag solche Entscheidungswege sehr gerne.

Insgesamt ein wirklich tolles Spiel mit einem unverbrauchten Thema und, jedenfalls für mich, total ansprechendem Zeichenstil. Ich würde auch jederzeit mit der fortgeschrittenen Seite des Fabriktableaus spielen, da hier die Änderungen minimal sind, aber für ein etwas asynchroneres Spiel sorgen. Ich mag das Spiel wirklich gerne und spreche gerne eine Empfehlung für dieses Spiel aus, was vermutlich irgendwo im Dauerlauf der Neuerscheinungen untergegangen ist. Denn viel hört und liest man nicht über Automania.
Für mich ein weiterer Grund, den Aporta Games Verlag nicht aus den Augen zu lassen.

Automania

Schachtelinhalt

1 Spielbrett
1 grauer Rundenmarker
einige Autotaler
72 Fabrikplättchen
10 graue neutrale Arbeiter
10 Nachfrageplättchen
30 Auftragskarten
4 Fabrikpläne
30 Autoplättchen
24 Arbeitermeeple
4 Reihenfolgenmarker
4 Siegpunktmarker
1 Spielanleitung

Credits

Aporta Games, Asmodee
Author: Kenneth Minde, Kristian Amundsen Østby
Grafik: Gjermund Bohne
2-4 Spieler
ab 12 Jahre
ca. 60-90 Minuten

Preis

ca. 32€ (Stand Januar 2017)

Ich bedanke mich bei Asmodee für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars.

One thought on “#81 Papa spielt … Automania

  1. Tom

    Schöne Rezension, kann mich hier in allen Punkten nur anschließen.
    Tolles Spiel, dass in den einzelnen beschriebenen Punkten rundläuft und in sich stimmig wirkt.
    Kein Detail zu viel, kein Prozess zu wenig 🙂
    Auch die B-Seiten in der Fortgeschrittenenversion schaffen verschiedene Möglichkeiten und
    Schwerpunkte und sorgen für weiteren Spielspaß. Am besten zu viert; für mich die Überraschung 2016

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