#87 Solopartie … Ein Fest für Odin

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Ein Fest für Odin
Nachdem ich bei meiner ersten offiziellen Solopartie (Noch Mal!) in das eine Extrem, eines kleinen Spiel, gegangen bin, gehe ich hier jetzt in die andere Richtung. Ein Fest für Odin ist ein fast drei Kilo schweres Monster, dass die Balken meines Regals zum ächzen bringt. Aber keine Angst, ich würde das Spiel hier nicht vorstellen, wenn es zu komplex wäre. Das neue Uwe Rosenberg Spiel sieht zwar mächtig komplex aus, ist es im Kern aber nicht.

Schauen wir uns also mal an, was Wikinger so den ganzen Tag machen, außer plündern und Met saufen. Abseits der bekannten Klischees haben sich Wikinger auch im Handel, in der Viehhaltung und dem Walfang bemüht.

Ein Fest für Odin erschlägt den unkundigen Betrachter mit einer Masse an Pappe-Plättchen und Ressourcen. Und wenn das nicht alles genug ist, bietet der Aktionsplan über 60 verschiedene Aktionsfelder. Wie soll man sich da nur entscheiden?

Jedoch ist der Plan in vier Spalten unterteilt, in der man jeweils ein, zwei, drei oder vier Arbeiter setzen muss, um die Aktion der jeweiligen Spalte zu nutzen. Alleine dadurch, schränkt sich die persönliche Auswahl stark ein.
Zudem ist der Plan in viele Rubriken wie Jagd, Schiffbau, Handel, Handwerk und Schifffahrt unterteilt. Damit ergibt sich ein thematischer Zusammenhang, wodurch man immer weiß, wo man eine Aktion zu suchen hat. Zusätzlich geben kleine persönliche Ziele, die man sich setzt, eine Route vor. Will man Plündern gehen, braucht man ein Schiff, um ein Schiff zu bauen, braucht man Holz, also wird die erste Aktion das Holzschlagen sein.

Ein Fest für Odin

Dann wären da noch die zwei schwarzen Trays, die die Pappmarker, die Waren beinhalten. Diese sind auch nach einem bestimmten Schema geordnet. Rot (Fleisch) und orange (Feldfrüchte) Plättchen stellen die Nahrung dar, um die Wikinger zu ernähren. Es gibt noch Tiere wie Schafe und Kühe, die vermehrt werden können. Die grünen (Handelsprodukte) und blauen Plättchen (Luxusgüter) sind Ausstattungen. Jedes Format eines Plättchens, kann durch Handeln auf den Aktionsfeldern, in die anderen Farben ausgewertet werden. Orange -> rot -> grün -> blau.
Wenn einem diese Konzepte einmal klar sind, ist das Spiel wirklich beherrschbar. Zudem kommt Ein Fest für Odin mit einem Tableau für den Rundenverlauf, der alles im Blick und in der Reihenfolge halten lässt.

So das war jetzt eine Menge, aber wir haben es bald. Jeder Spieler bekommt nun seinen eigenen Spielplan, den es gilt, mit erwirtschafteten Teilen voll zu puzzeln. Das hat ein paar Parallelen zu Patchwork, was wohl ein Nebenprodukt von Ein Fest für Odin war. Die Spieler setzen nun ihre Wikinger auf dem Aktionsboard ein, und versuchen durch Handel, Jagd und Plünderei neue Teile zu bekommen. Am Ende einer jeden Runde, fast typisch für Uwe Rosenberg, müssen die Wikinger ernährt werde, indem ein Fest ausgerichtet wird. Sprich, man darf nie außer Acht lassen, dass auch noch etwas zum Essen für alle übrig ist. Runde für Runde wächst die Population und damit auch der Hunger. In den ersten Runden gibt es noch eine Ernte, die aber irgendwann zwischendurch auch ausfallen wird, und andere Nahrungsquellen wie der Walfang oder die Jagd gewählt werden müssen.
Jetzt noch ein paar Ressourcen, ein paar Inseln, die besetzt werden können, Hütten und Langhäuser, und ein paar Karten, die das Spiel etwas beeinflussen können, auf den Tisch. Und schon haben wir das Spiel zusammen.

Nun wird gespielt, und keiner der Aktionsfeler darf doppelt besetzt werden, so dass sich die Spieler immer wieder in die Quere kommen werden. Eine Schwierigkeit im Spiel ist es, rechtzeitig sein Tableau voll zu bekommen, und mit den richtigen Teilen belegen zu können. Das Haupttableau darf beispielsweise nicht mit Nahrung belegt werden, und grüne Plättchen dürfen sich nicht direkt berühren. So sollte man am besten Sonderplättchen, oder blaue Luxusgüter verbauen. Andere Tableaus erlauben auch Nahrung.
Auf den Tableaus können zudem Rundeneinkommen und Bonusplättchen erreicht werden, wenn die Puzzelteile geschickt gelegt werden.

Nach sieben Runden wird der Punktstand ermittelt, und der Spieler mit den meisten Punkten gewinnt Ein Fest für Odin.

Ein Fest für Odin

Das Solo-Spiel

Ich hoffe, meine Aussage hier ist richtig, da ich die Quelle nicht mehr finden kann. In einem Interview letztes Jahr in Essen, erwähnte Uwe Rosenberg, dass er jedes Spiel zuerst als Solo-Spiel entwickelt, und dann nach und nach die weiteren Spieler hinzu nimmt. Genau diese Aussage hat mich dazu bewegt, Ein Fest für Odin tatsächlich zu testen. Ich hatte zu diesem Zweitpunkt schon Caverna im Schrank, was ne ganze Nummer kleiner ist. Caverna hatte ich nur wenige Male gespielt, weil es einfach schwer und mühsam ist, neuen Spielern einen Zugang zu vermitteln. In einem Solo-Spiel muss ich das nicht. Durch die Solo Erfahrung in Ein Fest für Odin, habe ich nun auch Caverna mehrere Male Solo gespielt. Danke Odin 🙂

Das Solo-Spiel unterscheidet sich kaum vom 2-Personen Spiel, denn man spielt selbst zwei Farben. In Runde 1 die erste Farbe. Man setzt dort seine sechs Wikinger auf den Aktionsplan. Am Ende der Runde, werden diese dann nicht herunter genommen, sondern bleiben dort stehen, bis zum Ende von Runde 2. Stattdessen kommt dann die zweite Farbe ins Spiel, man hat nun sieben Wikinger, und jede weitere Runde wird ein weiterer hinzukommen. Diese dürfen nun auch beliebig eingesetzt werden, eben nur nicht auf die Felder, die die erste Farbe besetzt hält. Man blockiert sich sozusagen selbst.
Damit ähnelt das Solospiel enorm dem Spiel mit zwei Personen.
Für mich ist der positive Aspekt, dass ich mir hier die Zeit nehmen kann, die ich brauche, und keinem Mitspieler auf die Nerven gehe, weil es mal wieder länger dauert. Ich neige in solchen Spielen leider dazu, zu viel nachzudenken.

So spielt man eben fünf oder sieben Runden und wertet am Ende, wie in jeder anderen Konstellation auch.

Ein Fest für Odin

Das Mehrpersonen-Spiel

Im Prinzip habe ich im Solospiel schon erwähnt, dass es sehr ähnlich ist. Ich habe das Spiel aber noch nie mit mehr als zwei Personen gespielt, aus zwei Gründen. Den ersten Grund habe ich auch schon erwähnt, das Spiel neigt dazu, etwas grübellastig zu sein. Und zweitens, es ist wirklich nicht leicht zu erklären, wenn man alles erklären will. Und meine Mitspieler fordern das in der Regel ein. Solo, nehme ich die Anleitung in die Hand, und lese nach, wann immer ich möchte. In einer Spielrunde kann das dann doch sehr lästig werden. Allerdings muss ich auch erwähnen, dass nur die erste Partie etwas mehr Erklärung bedarf. Schon in der zweiten Runde kennt man sich mit den Icons aus. Denn sie sind doch sehr intuitiv gestaltet.

Ein Fest für Odin bietet nur wenig Interaktion zwischen den Spielern. Einmal gibt es natürlich einen Wettlauf, um die wertvollsten Plünderschätze. Dann sind die Ressourcen wie Holz, Stein und Erz immer nur in bestimmten Stückzahlen, zu einer bestimmten Zeit, verfügbar. Auch die großen Inseln können, je nur von einem Spieler beansprucht werden. Aber das Spiel bietet so viele Strategien, dass man sich auch gut aus dem Weg gehen kann. Wobei es mich verwundert hat, wie oft man sich auf dem Board mit den über 60 Aktionsmöglichkeiten doch in die Quere kommt.

Ein Fest für Odin

Fazit zu Ein Fest für Odin

Material/Komponenten

Viel, viel und viel… Material 🙂 Alles natürlich, in gewohnter Spitzenqualität und ausreichend in der Stückzahl. Das Beste sind wohl die Sortiertrays, ohne die das Spiel vermutlich UNSPIELBAR wäre. Das Spiel bringt noch ganze vier Kartenstapel mit sich. Einmal die Waffen, dann das A-Deck, mit Ausbildungskarten. Es gibt noch ein B und ein C-Deck, die man wahlweise oder komplett gemischt einsetzen kann, aber ich habe mich bisher mit dem A-Deck zufrieden gegeben, und habe noch lange nicht jede Karte gesehen. Alles lässt sich prima in der massiven Box verstauen und es poltert dann auch nichts durch die Gegend, denn voll ist voll. Einziger Kritikpunkt; der Wertungsblock hat sehr wenig Blätter. Aber ein Kopierer schafft Abhilfe.

Ein Fest für Odin

Regelheft

Ein Fest für Odin hat nicht ein, nicht zwei, nein gleich drei Regelhefte. Nicht erschrecken. Nur eines hat tatsächlich den Spielverlauf intus, und erklärt hervorragend die Regeln. Und bis auf eine kleine Unklarheit beim Auswandern, sind die Regeln nach dem ersten Durchlesen klar gewesen. Klar, man wird immer wieder nachschlagen, aber auch hier findet man sich schnell zurecht. Uwe selbst, gibt in Sprechblasen, wertvolle Tipps und Hinweise.

Das Zweite Heft, der Anhang ist das Heft, indem man sich die Piktogramme der Spielkarten erklären lassen kann. Dazu findet man auf der Karte eine kleine Nummer, unter der dann der Effekt nachgelesen werden kann. Funktioniert Klasse.

Das dritte Heft, der Almanach, ist für alle, die mehr über die echten Wikinger wissen wollen. Auch eine sehr spannende Lektüre. Aber bitte erst nach dem Spiel lesen 🙂 Oder wenn ich etwas länger nachdenke.

Ein Fest für Odin

Empfehlung

Puh, wo fange ich an. Am besten mit dem Fazit. Ich liebe dieses Spiel. Ich habe es inzwischen sicher 10 Runden Solo gespielt, was mir nicht so häufig passiert. Und obwohl ich das Spiel schon einige Male gespielt habe, habe ich immer noch nicht das Gefühl, ein Kochrezept für die zu knackenden 100 Punkte gefunden zu haben. Ich habe es nur ein einziges Mal geschafft, und da spielte Glück eine große Rolle. Das ist der Aspekt, den ich noch gar nicht erwähnt habe. Denn Ein Fest für Odin kommt mit zwei Würfeln. Diese werden verwendet, um den Erfolg einer Jagd oder einer Plünderfahrt zu bestimmen. Man kann sich aber auf die Herausforderung vorbereiten, und mit genug Ressourcen oder Karten auch das Glück auf seine Seite rücken. Aber die Würfel sind wirklich ein Element, was für mich das Spiel erst wirklich gut machen. Denn meiner Meinung nach, muss jedes gute Spiel ein Glückselement haben, und darf nicht ausrechnbar sein. Man wird niemals ein Schachspiel gegen jemanden gewinnen, der besser Schach spielen kann. Hier gibt es kein Glück. Gut im Solospiel spielt das weniger eine Rolle, aber ich mag den Nervenkitzel.

Ein Fest für Odin ist ein Spiel, was mich nach einem Spiel nicht los lässt. ich denke oft drüber nach, was ich hätte anders machen können, oder welche andere Strategie noch möglich ist. Wenn mich ein Spiel, in Gedanken danach noch beschäftigt, ist das ein gutes Zeichen.

Die ersten beiden Spielrunden hing ich wohl fast drei Stunden über den Regelheften und hab mich so nach und nach in das Spiel reingewühlt. Diesen Fakt darf man nicht verschweigen. Es ist ein bisschen Arbeit, sich das Spiel anzueignen. Aber seitdem spiele ich es flott und in einer guten Stunde. Und da ist dann das Aufräumen und Aufbauen schon dabei. ich finde aber, der Einsatz lohnt sich, wenn man ein großes Spiel sucht.
Einziger Wermutstropfen, das Spiel passt nicht auf meinen 60x90cm Solospieltisch. Ich brauche noch einen kleinen Beistelltisch, um alles unterzubringen.

Ich mag das Thema sehr, und die verschiedenen Strategien, die das Spiel immer wieder anders machen. Und natürlich das Puzzeln auf dem Spielertableau. Es ist natürlich kein Leichtgewicht, weder physisch, noch aufgrund der Komplexität. Aber mein erster Gedanke: Das tue ich mir nicht an, zu viele Optionen, hat sich auf den zweiten, und genaueren Blick, doch deutlich geändert. Wer sich auf das Abenteuer einlässt, und etwas Geduld mitbringt, wird in Ein Fest für Odin ein sehr gutes Arbeitereinsetzspiel finden. Eine spezielle Empfehlung kann ich dafür als Solo-Spiel abgeben, denn es gibt keinen künstlichen Dummy-Spieler, der auch noch verwaltet werden muss, wie das in vielen anderen Spielen mit Solo-Variante der Fall ist.
Für mich, unter allen Rosenberg-Spielen mein aktueller Favorit.

Und eine Sache kann man auf keinen Fall behaupten: Man bekommt nicht genug Material für sein Geld.

So ich hoffe, ich konnte dem Spiel mit meinem Bericht, gerecht werden. Es ist wohl mein längster Artikel geworden, aber es ist auch das schwerste Spiel in meiner Sammlung. Ich denke das ist nur gerecht.

Ein Fest für Odin

Schachtelinhalt

Den Teil schenke ich mir jetzt einfach, denn es ist eine Menge, und der Artikel ist schon lang genug geworden 🙂

Ein Fest für Odin

Credits

Feuerland Spiele
Author: Uwe Rosenberg
Grafik: Dennis Lohausen
1-4 Spieler
ab 12 Jahre
ca. 60-120 Minuten

Preis

ca. 60€ (Stand Februar 2017)

4 thoughts on “#87 Solopartie … Ein Fest für Odin

  1. Heiko

    Meinen Mitspielern und mir war der Verwaltungsaufwand zu hoch und die Aktionsmöglichkeiten zu viel um es richtig schön flüssig spielen zu können, daher habe ich es wieder verkauft. Bei uns hat sich der Spielspaß leider nicht eingestellt. Dennoch ist es kein schlechtes Spiel.Unabhängig davon haben wir hier einen sehr schönen Bericht und jeder sollte ohnehin selbst für sich herausfinden ob einem das Spiel liegt oder nicht.

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  2. Pingback: #93 Solopartie ... Cottage Garden - Knopfspiele

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