#89 Papa spielt … Meduris

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Meduris
Ich möchte heute ein Spiel vorstellen, das sehr gut in die Jahreszeit passt. Nein, kein winterliches Spiel, und kein Spiel um Verkleidungen und Helau-Rufe. Es ist etwas, was uns alle zu dieser Jahreszeit beschäftigt: Die Steuererklärung.
Ich sehe eure Fragezeichen über den Köpfen, denn die Spieleschachtel zeigt deutlich das Haba Logo. Kann es sein, dass Haba ein Spiel über Steuererklärungen gemacht hat?
Nein, haben sie nicht, aber früher würden Steuern eben direkt bezahlt. Vielleicht war der Steuerbeamte getarnt als Druide, und die Abgaben waren als Opfergaben ausgewiesen. Wer weiß das schon.

Genug Blödsinn erzählt, freut euch auf ein sehr strategisches und ungewöhnliches Haba Spiel.

Jeder Spieler bekommt Hütten, ein paar Rohstoffe, und einen Sichtschutz, um ihre Rohstoffe vor den Blicken der Mitspieler zu verbergen. Jetzt setzen die Spieler ihre Arbeiten in die vier Zonen der Hochebene, in denen die vier Rohstoffe (Holz, Kupfer, Wolle, Stein) zu bekommen sind. Dabei dürfen die Stapel-Meeple, bis zu einer maximalen Höhe von drei, übereinander gestapelt werden. Jetzt geht das Spiel los, und der Würfel wird geworfen. Je nach Ergebnis, bekommen die Spieler dann Rohstoffe, oder müssen sogar Rohstoffe abgeben.

Meduris

Nun hat der Spieler genau drei mögliche Aktionen:

Einen Arbeiter umsetzen: Der Spieler nimmt einen Arbeiter und setzt ihn auf einen anderen Hochebenenplatz. Dann, je nach Position in dem Arbeiterturm, bekommt jeder beteiligte Spieler einen Ertrag. Ganz unten bekommt man einen Rohstoff, in der Mitte bekommt man zwei Rohstoffe und ganz oben sogar drei Rohstoffe.

Hütte bauen: Eine Hütte auf ein unbebautes Feld setzen. Die Kosten sind auf dem Feld selbst angegeben. Jede angrenzende Hütte, egal welcher Farbe, erhöht die Kosten um je einen Rohstoff. Danach darf der Spieler, den zum Gebiet gehörenden Runenstein zu sich nehmen, unabhängig davon, ob er noch auf den Spielbrett liegt, oder bei einem anderen Spieler ist. Baut der Spieler auf einem Bonusplättchen, darf er dieses zu sich nehmen. Am Ende dieser Aktion bewegt sich der Druide.

Tempel bauen: Einen der zwei Tempel auf ein freies Feld bauen. Dabei erhöht sich der Preis nicht, kostet also genau das, was am Feld angegeben ist. Am Ende dieser Aktion bewegt sich der Druide.

Der Druide

Immer, wenn der Druide bewegt wird, mit Ausnahme der ersten drei Bauaktionen, bewegt sich der Druide bis zur nächsten Hütte. Von dort an, stattet der Steuereintreiber, ähhm der Druide, jeder Hütte einen Besuch ab. Die Spieler können dann entscheiden, ob sie ihm nichts bezahlen, und damit einen Minuspunkt bekommen, eines der beiden Rohstoffe abgeben, die am Feld angegeben sind, oder ihm sogar alle beide Materialien mitgeben, um dann so viele Punkte zu bekommen, wie Häuser in der Siedlung sind. Der Druide stoppt seine Klingelbeutelrunde erst beim ersten Tempel oder freiem Feld, das er betritt.

Das Spiel endet, wenn ein Spieler seine Tempel und all seine Hütten gebaut hat. Danach hat jeder andere Spieler noch einen Zug und der Druide geht nochmal eine Runde an allen Hütten vorbei. Es werden dann am Ende noch die Tempel und die Runensteine gewertet, die nochmals einige Punkte ergeben können. Am Ende gewinnt der Spieler mit der höchsten Punktzahl.

Meduris

Fazit zu Meduris:

Material/Komponenten

Als ich das Spiel bekommen habe, habe ich zu allererst das geprüft, war mich bei Abenteuerland wirklich gestört hatte. Den Geruch der Holzfiguren. Und hier bei Meduris gab es diesen Effekt zum Glück nicht, kein Lackgeruch. Auch bei Abenteuerland ist der Geruch inzwischen verflogen.
Den Rest der Komponenten brauche ich nicht wirklich beschrieben, denn wir wissen, dass das Material Spitzenqualität hat. Das Board ist zweiseitig bedruckt, für jeweils verschiedene Spielerzahlen.
Nicht so gelungen ist die Bemalung des Würfels auf einer Seite. Ein heller Würfel bedruckt mit weißen Zahlen. Nun gut, immerhin ist das einzigartig, somit weiß man, dass die Wolle gemeint ist, wenn man nichts erkennen kann. Die Männchen lassen sich toll stapeln und alles macht insgesamt einen guten Eindruck. Aber meckern muss ich doch. Wenn man das Spiel zu zweit spielen will, MUSS man mit den Farben blau und lila spielen. Denn von den beiden anderen Farben sind weniger Figuren und Hütten im Spiel enthalten. Für mich als Spieler, der fast immer rot als Spielerfarbe wählt, ist das ein Manko.
Meduris

Alter

Meduris hat an sich sehr einfache Regeln, aber das Spiel hat es in sich. Auf der Packung ist ein Alter ab 10 angegeben. Ich denke, das müsste schon ein ambitionierter Spieler sein, um in diesem Spiel tatsächlich eine Gewinnchance haben zu können. Es gibt einfach viel, was man berechnen und optimieren kann. Aus meiner Erfahrung nichts, was 10-jährige Kinder gerne machen. Also man kann es in dem Alter spielen, dann müssen sich die Großen an Tisch aber ein wenig zurück halten.

Regelheft

Das Regelheft ist sehr gut geschrieben, und erklärt das Spiel bis ins kleinste Detail. Hinten sind nochmal zwei Seiten Kurzregeln enthalten, die das Spiel, wenn man es einmal gespielt hat, komplett und ausreichend erklären, damit nichts vergessen wird. Ich liebe solche Zusammenstellungen. Etwas seltsam, aber auch genial ist der vordere Teil der Regel, die das Spiel in aller Ausführlichkeit beschreibt. Haba hat sich dafür entschieden, eine zweimal ausklappbare Seite in ihr Regelheft zu übernehmen. Was am Tisch dann recht unhandlich wirkt, hat aber, und das wird der Grund sein, ein geniales Ablaufdiagramm abgebildet. So kann der Weg jeder Entscheidung bis zum Ende verfolgt werden. Das ist perfekt, wenn doch mal nachgeschlagen werden muss. Kein Suchen im Text, einfach den Linien folgen. Ich sage, lieber unhandlich als unklar.

Meduris

Empfehlung

Mit Meduris ist Haba über die Grenze des Familienspiels gegangen. Ich nehme vorweg, dass ich mir doch ein seichteres Spiel für diese Reihe gewünscht hätte. Ich persönlich mag Meduris gerne, aber ich habe auch meine Probleme mit dem Spiel gehabt.

Meduris ist absolut toll gestaltet und macht optisch auf dem Tisch richtig was her. Es ist schnell erklärt und hat einen flotten Spielrundenverlauf. Alles Aspekte, die ich an einem Spiel schätze. Aber Meduris ist in vieler Hinsicht etwas anders. Das Thema ist zwar da, verschwindet aber in Laufe des Spiels. Es wirkt eher wie ein abstraktes, sehr mathematisches Spiel.

Die Entscheidungen die getroffen werden müssen, sind anfangs sehr simpel; es geht ums Sammeln von Ressourcen und mal hier und da eine Hütte bauen. Das ist alles etwas zäh zu Beginn. Aber irgendwann wird der Rohstoffvorrat aufgebraucht sein, und es wird immer größer werdende Siedlungen geben. Wenn ich zum Beispiel an drei Hütten eines Mitspielers anbaue, verschaffe ich mir zwar Punkte, aber durch meinen Anbau dem Gegner eventuell sehr viel mehr Punkte. Genau deshalb ist es wichtig seine Tempel strategisch zu platzieren.

Ich habe im Abschnitt über das Alter erwähnt, dass sehr viel gerechnet werden muss. Das trifft speziell dann auch auf die Schlusswertung zu. Denn die Tempel geben nochmal viele Punkte, sind diese gut und spät platziert. Und die Runensteine können mächtig viele Punkte ergeben, sollte man es schaffen, immer die letzte Hütte in einem Bereich zu bauen. Die erste Rune gibt einen Punkt, die zweite zwei Punkte und so weiter.

Dann kommt der Druide bei den Opferritualen, oder bei uns eben der Steuereintreiber, ins Spiel. Manchmal macht es richtig Sinn, einen Minuspunkt hinzunehmen, wenn man voraussehen kann, dass man vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt mehr Punkte mit dieser Ressource holen kann. Speziell am Ende, dann dreht der Druide nämlich nochmals eine ganze Runde und besucht jede einzelne Hütte. Dafür braucht man einen ganzen Haufen Ressourcen, um hier das Maximum herauszuholen. Das ist für Kinder in meinen Augen nicht berechenbar. Auch manche meiner Mitspieler hatten damit ein Problem und die Ernüchterung kommt schnell, sollte man für diesen Fall nicht ein großes Rohstoffpolster angelegt haben. Dann gibt es auf der Punkteskala nur eine Richtung: Rückwarts. Ich musste mich im Spiel zurückhalten, nicht alles komplett ausrechnen zu wollen, denn dann wären mir vermutlich meine Mitspieler eingeschlafen.

Allgemein zieht sich das Spielgeschehen ein wenig. Eine Spielzeit von 90 Minuten war in Vollbesetzung nicht ungewöhnlich, und die richtige Spannung kommt erst im letzten Drittel des Spiels auf. Leider ist es auch mit zwei Spielern etwas schwach, da man sich erst lange nicht in die Quere kommt, und dann massiv.

Um das Spiel etwas flotter spielen zu können, muss man einen Mittelweg wählen, teils Entscheidungen aus dem Bauch heraus treffen, teils gut vorausplanen. Meduris ist ein astreines Optimierungsspiel, was auch einen Vielspieler begeistern kann.

Ich bin vom Mechanismus und vom Spielmaterial angetan. Auch die Rechnerei und das Vorausplanen liegen mir sehr. Aber schon aufgrund der hohen Spielzeit ist es kaum auf den Tisch zu bringen. Für mich kein Familienspiel, eher ein Spiel für Vielspieler. Ein bisschen Schade, dass Meduris nicht an die Klasse von Abenteuerland heran reichen kann. Ware es etwas kürzer, würde es wohl auch öfter auf den Tisch kommen. So muss es sich leider mit den anderen großen Spielen, in diesem Zeitfenster, messen.
Fairerweise muss aber auch erwähnt werden, dass Haba dies alles hinten auf der Packung angibt. Nur sehe ich die gefahr, das das Haba Logo dies überschattet.

Wer also ein leicht zu lernendes, aber doch knallhartes Spiel sucht, in dem es gilt seine Strategie und sein Warenmanagement zu optimieren, und damit klar kommt, ständig einen Mangel zu haben, dem lege ich Meduris ans Herz. Es ist ein gutes Spiel, das optisch glänzen kann. Wer allerdings ein Familienspiel mit den Kindern sucht, ist hierbei leider falsch, und sollte sich andere Spiele als Option heranziehen.

Credits

Haba
Author: Stefan Dorra, Ralf zur Linde
Grafik: Miguel Coimbra
2-4 Spieler
ab 10 Jahre
ca. 75-90 Minuten

Preis

ca. 34€ (Stand Februar 2017)

Ich bedanke mich bei Haba für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars.

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